Die geheime Welt der Katzen

Eine Fate-Besprechung von Infernal Teddy

„Sag‘ mal, Teddy…“

„Ja Dominik?“

„Du und Caninus, ihr habt doch Katzen, oder?“

„Drei Stück, wieso?“

„Naja, ich habe da diese frisch übersetzte Abenteuerw…“

„Ja, meine Frau würde sich sehr freuen wenn wir Die geheime Welt der Katzen besprechen könnten“

Okay, zugegeben, ganz so ist es nicht gelaufen, aber so ähnlich war die Unterhaltung schon. Wir hier bei Neue Abenteuer sind halt Katzenherdenhüter und Fate-Fans, und wenn einem schon die Möglichkeit angeboten wird, sich mit einem neuen Buch zu beschäftigen welches diese beiden Interessen in sich kombiniert, da sagt man nicht nein. Einer der Fate Abenteuerwelten, welche Evil Hat über Patreon finanzieren lässt, präsentiert Die geheime Welt der Katzen eine Welt, in der Hauskatzen ihre Besitzer beschützen, ohne das diese etwas mitbekommen. Parallelen zu ähnlichen Rollenspielen, wie Cat von John Wick, oder Katzulhu. Es stellt sich also die Frage, was bringt dieses Setting mit, was diese Spiele nicht haben.

Im Gegensatz zu den bisher hier vorgestellten Abenteuerwelten ist Die geheime Welt der Katzen kein dünnes Softcover, sondern ein schöner, stabiler Hardcover mit 175 Seiten Inhalt – also auch vom Inhalt her ein deutliches mehr. Das Layout entspricht dem der Vorgängerbände, und dem Buch wurde sogar ein Lesebändchen spendiert – wir wissen ja, wie wichtig Lesebändchen dem Teddy sind. Das Artwork wirkt eher comichaft, was dazu beträgt, die gewünschte Stimmung zu portieren – ein eher heroisches Spiel mit kleinen Helden, welche eher jugendfreie Abenteuer erleben werden.

Die geheime Welt der Katzen besteht aus neun Kapiteln, von denen die vier letzten Kapitel nicht aus der ursprünglichen Abenteuerwelt stammen, sondern Zusatzmaterial darstellen, welche der Autor meines Wissens nach ursprünglich auf seinem Blog präsentiert hat, bzw. später dann auch als Pay what you want auf DrivethruRPG. Das erste Kapitel leitet mit einer kurzen Beschreibung der Welt aus der Sicht der Katzen ein. Neben dem Menschen gibt es nämlich noch andere vernunftbegabte Tiere auf der Welt – Katzen sind fast immer Vernunftbegabt, aber auch bei anderen Tierarten kann diese Gabe vorkommen. Allerdings sind Menschen nicht in der Lage, alle Gefahren zu erkennen, welche auf sie lauern, weswegen die Katzen es sich zur Aufgabe gemacht haben, uns – ihre „Bürden“ – zu beschützen. Dabei verlassen sich die >Katzen nicht nur auf ihre Krallen, ihre Zähne und ihre Geschicklichkeit, sondern auch auf ihre magischen Fähigkeiten. Dabei stehen ihnen aber nicht nur die Gefahren der Welt – und wir, die Bürden – ihnen im Weg, sondern auch ihre eigene Politik, denn Katzen lassen sich oft nur schlecht dazu bringen, zusammen zu arbeiten.

Im zweiten Kapitel wendet sich das Buch dann der Katzenerschaffung zu. Diese läuft im Großen und Ganzen so ab, wie man es von Fate Core her gewohnt ist. Jede Katze hat fünf Stunts: Konzept und Dilemma sind wie gewohnt, danach sucht man sich ein Bürden-Aspekt zu, welcher die Menschen beschreibt, die man als Katze beschützt, den Wahren Namen (Denn wie schon T.S. Eliot sagte, „The naming of cats is a difficult thing…„), und als letztes gibt es noch den üblichen freien Aspekt. Die Fertigkeitenliste hat sich ein wenig geändert, Fertigkeiten für die eine Katze keine Verwendung findet sind rausgefallen, dafür haben Katzen die Fertigkeit Revier, und die vier Magiefertigkeiten Behüten, Gestaltwandeln, Rufen und Suchen. Außerdem hat jede Katzen neben den drei üblichen Stunts auch noch drei Magiestunts. Was mir in diesem Kapitel auch schon sehr gut gefällt sind die Hinweise, wei sich Katzen vom Verhalten her von Menschen im Spiel unterscheiden sollten, und solche Textkästen wie der Hinwies das Katzen solche Zeiteinheiten wie das Nickerchen verwenden. Außerdem enthält das Kapitel die Magiefertigkeiten, die Regeln wofür sie eingesetzt werden, und eine Liste an Beispielstunts. Das dritte Kapitel, mit einer sehr knappen Beschreibung der Stadt Silverford (Im Original „Silver Ford“ geschrieben), erstreckt sich über nur zwei Seiten, und dient eigentlich nur als Bühne für das Abenteuer „Schwarzes Silber“, welches das vierte Kapitel ausmacht, und in dem die Katzenhelden einer Bedrohung das Pfotenwerk legen müssen, bevor an Halloween die Bürden der Stadt anfangen zu verschwinden. Das fünfte Kapitel präsentiert dann als Abschluss des ursprünglichen Bandes eine kurze Auswahl an Gefahren, denen sich die Katzen ausgesetzt sehen könnten.

Die restlichen etwas mehr als einhundert Seiten sind Zusatzmaterial.

Kapitel Sechs ist ein Sammelsurium an zusätzlichen Optionen für Die Geheime Welt der Katzen, angefangen mit der Umsetzung des Spiels auf die Regeln von Turbo Fate, und begleitet mit einer Auswahl an inspirativen Medien und einigen Zufallstabellen für die Erschaffung von Katzen. Den Löwenanteil des Zusatzmaterials in diesem Band macht das siebte Kapitel aus, welches – aus der Sicht einer weisen Eule – eine große Auswahl an weiteren Tieren präsentiert, von denen einige auch als Optionen für Spieler zur Verfügung stehen. Außerdem gibt es von jeder Tierart auch einen „Beispielcharakter, den man als Spielleiter oder als Spieler einsetzen kann – und ich möchte an dieser Stelle anmerken das ich die unsterblichen Schnecken großartig finde. Aber nicht nur Tiere finden hier Einzug, sondern auch allerlei Monster, welche sich die Katzen heldenhaft in den Weg stellen können, wie Untote, Geister und – am allerschlimmsten – abtrünnige Katzen welche gegen die heiligen Gesetze der Katzen verstoßen haben. Dieses Material wird in Kapitel Acht auch wieder ergänzt, durch zusätzliche spielbare Tiere wie die Geheime Welt der Dachse, der Igel, oder der Kolibris. Interessant finde ich auch, das hier Tiger aufgeführt werden, welche vor den Hauskatzen größten Respekt haben – Tiger können nämlich im Gegensatz zu ihren kleinen Verwandten nur eine Art Magie erlernen. Das letzte Kapitel stellt eine umfangreiche Erweiterung der Magieregeln da, mit einer erweiterten Auswahl an entsprechenden Stunts. Abgerundet wird der Band durch den Index, und den zwei Charakterbögen – einen für die Fate Core-Variante, und eine für den Einsatz mit Turbo Fate.

Fazit:
Ich vermute mal, es ist keiner überrascht wenn ich sage das mir Die geheime Welt der Katzen sehr gefällt, oder? Ich meine, dafür drückt das Buch einfach auf zu vielen Knöpfen in meinem Kopf rum. Es bedient die selbe Nische wie auch schon John Wicks „Cat“, schlägt aber dabei einen etwas anderen Ton an. Vielleicht durch die Illustrationen bedingt, vielleicht auch einfach durch das zugrunde liegende Fate-Regelwerk ist dieses Buch ein eher heldenhafteres Spiel, mit Katzen welche durch ihre Magie sich auch mal mit etwas fieseren Gefahren anlegen können. Was ich bei dieser Abenteuerwelt als große Stärke ansehe ist, das es durch das Thema und das nur grob angerissene Setting sehr eingängig sein dürfte – schließlich kennt jeder irgendwelche Zeichentrickserien mit niedlichen Katzen, was das Setting auch ideal machen dürfte für Rollenspieler mit Kindenr (Ich werde es vielleicht in ein paar Jahren für meine Nichten und Neffen auspacken, hoffe ich). Außerdem hat mir sehr gut gefallen das der Uhrwerk Verlag hier auch direkt die Bonusmaterialien beigefügt hat, um ein runderes Produkt abzuliefern. Und zuletzt muss man auch einfach sagen das sich diese Abenteuerwelt sich bestimmt auch sehr gut mit anderen Fate-Settings verknüpfen lassen dürfte – „Die unheimlichen Fälle von Mister und Mouse“ vielleicht? „Eis & Dampf & Katzen„? Oder Wie wäre es mit „Katzen Eyes„?
Einziger Wehrmutstropfen sind zwei Punkte. Zum einen hatte ich an ein paar Stellen das Gefühl, entweder die Übersetzung oder das Lektorat seien an ein paar Stellen (Wie das bereits erwähnte Silver Ford) etwas… unvorsichtig gewesen. Zum anderen hat sich der Autor bei seinen Spielerkatzen sich für mein Gefühl ein wenig zu sehr bei Felidae und den Aristocats beeinflussen lassen, und zu wenig bei richtigen Katzen. Hinweise zu den verschiedenen Katzenrassen und ihren Eigenarten hätten dem Buch nicht geschadet. Aber alles in allem: Ein tolles kleines Setting.

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