Der letzte Tyrann

Abenteuer M20 (Solo)

Ein Soloabenteuer für Myranor, erst das zweite das überhaupt für dieses Setting erschienen ist. Die Handlung spielt im Westen des Kontinents, in eine kleine Provinz, die gerade seinen alten König verloren hat bzw verlieren wird. Enthalten sind neben dem Abenteuer auch noch ein Held mit dem dieses gespielt werden kann und eine Seite mit Notizen.

Der Leser spielt den Helden, auf den die Götter ihren Finger gezeigt haben und der jetzt plötzlich Herrscher werden soll. Nur leider hat der Held keine großen Kenntnisse über diese ganze Herrschen Geschichte und auch wenig Interesse daran, da die Defizite irgendwie aus zu gleichen. Die Geschichte selbst fängt kurz vor der Krönungszeremonie an als man selbst abgeholt wird von dem nun als Diener lebenden eigentlichen Favoriten auf den Herrscherthron. Doch anstatt wie dieser sagt zum Seher, der die Prophezeiung sprach, gebracht zu werden, wird man in den Kerker geworfen mit der Möglichkeit, sich durch Gift selbst um zu bringen. Doch da wurde natürlich die Rechnung ohne den Wirt gemacht und es wird verzweifelt ein passender Ausgang gesucht um dann doch noch irgendwie an den Herrscherposten zu kommen. Vielleicht helfen einem ja dabei die alten Legenden über den Helden Herakulon, der mit seinen Heldentaten auch auf dem Thron gelandet ist?

Soloabenteuer sind für das schwarze Auge ja keine solche Seltenheit, wenn sie auch in den letzten Jahren etwas in Vergessenheit geraten sind. Wie schon geschrieben gibt es für Myranor bislang nur ein weiteres solches Abenteuer. Von daher ist das eine kleine Premiere. Im Gegensatz zu vielen solcher Abenteuer wird der Leser hier nicht mit „du“ angeredet, sondern mit „Sie“, was an und für sich erst einmal sehr ungewöhnlich ist, aber den Bezug zu einem Anwärter auf einen Herrscherthron etwas mehr vermittelt.
Die Abfolge der einzelnen Punkte ist spannend und oft nicht wirklich vorhersehbar, aber man bekommt leider beim Blättern schon eine Einsicht darüber wo das Abenteuer hingehen wird – das ist etwas schade, aber lässt sich bei diesem Medium ja nicht ändern. Viele Punkte sind allerdings einer von zwei Typen: entweder man hat einen Text, der mit einer weiteren Zahl endet oder einen Text mit ganz vielen Optionen. Solche in denen eine entweder-oder Entscheidung getroffen werden muss, sind eher selten und man hätte viele Texte einfach aneinander zusammenfassen können.
Leider sucht man auch viele Punkte sehr häufig auf und nicht immer passen dann die Texte dazu, da man ja nicht nochmal jemanden neu entdecken kann etwa. Und ebenso leider gibt es auch unlogische Stellen im Abenteuer, wie etwa der junge Löwe, der nach einem Verlust der Hälfte seine LeP flieht, aber im nächsten Abschnitt tot ist. Bei mindestens einem Abschnitt fehlt die nächste Zahl (192). Außerdem gibt es ein paar Abschnitte, welche nicht erreicht werden können, aber vielleicht auch als Ablenkung dienen?
Etwas schade ist, dass sich kein Beispiel an der letzten Aventurien Veröffentlichung genommen wurde und an den entsprechenden Stellen auch innerhalb des Abenteuers angekreuzt werden kann, wie oft man wo war. So gibt es nicht nur eine Stelle bei der es vom Text her wichtig ist, wie oft man dort war. Dies steht dummerweise immer erst am Ende des Textes und wenn man vorher einen Abzweig hat und diesem folgt, liest man den Rest nicht mehr. Hier hätte man besser den Text umgedreht. Auch der Anhang lässt leider zu wünschen übrig, da es zwar im Text jede Menge Dinge gibt, die man notieren soll, aber in eben jenem Anhang leider nur ein Blatt namens „Notizen“ ist. Warum es da keine Liste mit Feldern zum Ankreuzen für die entsprechenden Optionen gibt.. man weiß es leider nicht.
Als Nutzer des pdfs gilt leider immer noch die Kritik darüber, warum man diese nicht interaktiv macht. Das Medium bietet das immerhin an.
Die Geschichte selbst ist aber trotz ihrer groben Vorhersagbarkeit spannend gemacht und man hat beim Lesen Lust sofort den Band durch zu spielen und die Abenteuer des Herakulon auch in der Welt Myranors auf seine eigene Weise zu lösen.

Fazit:
Ein niedliches kleines Soloabenteuer für den, den es nicht stört, dass viele Punkte nur einen weiteren Ausgang haben und kaum Markiermöglichkeiten vorhanden sind.

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