Der Kristallpalast

Ein Steampunk-Roman

Letztes Jahr erschien bei Feder & Schwert ein Roman in ihrer Steampunk-Reihe, der schon mit seinem Cover meine Aufmerksamkeit erregte: Drei Autoren? Und es geht um den Lieblingsverein meiner Mutter? Nein, tut es nicht, sondern um das Bauwerk nachdem die Mannschaft benannt wurde – der Kristallpalast (Crystal Palace), der von 1850 bis 1851 in London erreichtet wurde um die erste Weltausstellung zu beherbergen. Und um dieses Gebäude und eine Reihe von seltsamen Ereignissen in dessen Umfeld geht es in diesem Roman von Oliver Plaschka (Von dem ich tatsächlich bis dahin noch nie gehört hatte), Alexander Flory und Matthias Mösch.

Bei diesem Roman hat scheinbar jeder Autor einen Charakter beigesteuert, denn wir verfolgen im Laufe der Handlung drei Hauptfiguren – die exotische Miss Niobe, welche als Agentin für eine geheime Loge innerhalb von Regierungskreisen tätig ist, Captain Royle, ein ehemaliger Soldat im Dienste des Empires, der jetzt in einer geheimdienstähnlichen Abteilung arbeitet, und der niederländische Ingenieur Frans, der für wesentlich unheimlichere und geheimnisvolle Meister arbeitet. Auslöser der Handlung ist ein Mitglied der königlichen Kommision – und der erwähnten Geheimloge – das bei einer Soiree heimtückisch ermordet wird. Schnell wird Miss Niobe, die mit ihrem geheimnissvollen Gönner innerhalb der Loge als Gast vor Ort ist, klar dass es dem Täter um ein seltsames und uraltes Artefakt ging, welches sich zur Tatzeit im Besitz des Opfers befand. Gleichzeitig wird der Geheimdienst auf den Mord und das Artefakt aufmerksam, der Artefakte dieser Art sammelt um ihre geheimnisvollen Kräfte unter ihre Kontrolle zu bringen. Und auch Frans und seine Meister stehen mit den Artefakten in Verbindung und wollen sie nutzen um das Empire zu Fall zu bringen. Die Handlung – und die Jagd nach dem Artefakt – strebt auf den Kristallpalast zu, um den die geheimnisvollen Meister des Niederländers einen heimtückischen Plan gesponnen haben, während sich die Schicksale der Protagonisten verwirren und gleichzeitig nach und nach die Vergangenheit und Geheimnisse der Artefakte ans Licht kommen – und in welchem Verhältnis sie zu Miss Niobe stehen…

Fazit:
Eines Vorweg – auch dieses mal bietet uns Feder & Schwert keinen reinen Steampunk-Roman, sondern etwas, was man am besten als „James Bond gekreuzt mit Victoriana“ beschreiben kann. Und nachdem ich gemeckert habe zum erfreulichen: Trotz der Tatsache, dass der Roman sich am Anfang etwas zäh liest haben wir es hier mit einem sehr spannenden Buch zu tun, das bis zum Schluss immer wieder für eine Überraschung gut ist. Auch die Charaktere sind alle glaubwürdig, man neigt stets dazu, mit dem jeweiligen Akteur mitzufühlen. Positiv fällt auch auf, dass trotz der drei Autoren das Buch wie aus einem Guss wirkt, alle drei erzählen quasi mit einer „Stimme“. Es ist zwar nicht das beste Buch aus der Steampunk-Reihe – diese Auszeichnung fällt immer noch Das mechanische Herz von Dru Pagliasotti zu – aber ich würde es bedenkenlos jedem weiter empfehlen.

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