Der Junge Magier

Greystar 1

Ursprünglich war die Welt des Einsamen Wolfes nicht mehr als ein D&D Kampegnenhintergrund. Über die Zeit hat die Welt Magnamund jedoch ein Eigenleben gewonnen, das zumindest in der Spielbuchlandschaft ihresgleichen sucht. Nach ganzen 20 Bänden der Hauptkampagne folgt die aktuell neu aufgelegte „Neue Kai Krieger“ Reihe und nun auch „Greystar“. Die ist von Ian Page zusammen mit Großmeister Joe Dever geschrieben worden und wirft ein erfrischendes Licht auf die düstere Welt.

Der junge Magier

Wir schlüpfen in die Rolle von Silberstern, ein Shianti Magier, der auf die Suche nach dem mächtigen Mondstein geschickt wurde.  Wie auch in der Hauptgeschichte verkörpern wir damit keine unwichtige Figur. Greystar ist aber weitaus sterblicher als der einsame Wolf höchstpersönlich. Im Gegensatz zum einfachen Volk verfügt er aber zumindest über mächtige Magie, die er gewinnbringend einsetzen muss um sich den Gefahren auf dem beschwerlichen Weg zu stellen. Dieser Fokus drückt sich auch mechanisch aus. Zwar wird Magie weitaus klassischer umgesetzt als bei Sorcery!, wir brauchen dafür jedoch zumindest  eine zweite Ressource neben den klassischen Ausdauerpunkten: Unsere Willenskraft. Die wird nicht nur benötigt um zu Zaubern, sondern kann auch genutzt werden um unseren Zauberstab zu aktivieren, der die Hauptwaffe von Silberstern darstellt. Ansonsten spielt sich Greystar klassisch. Wir verfügen neben der Willenskraft über Kampfkraft und Ausdauerpunkten, sowie fünf Fähigkeiten die während des Spiels zum Einsatz kommen können. Wie auch beim großen Bruder werden diese im Wesentlichen als zusätzliche Handlungsoptionen eingesetzt, so dass wir nicht umständlich Buch führen müssen, sondern einfach andere Optionen freischalten. Das gelingt im Buch äußerst komfortabel und führt zu einer individualisierten Geschichte, die trotzdem auf kontrollierbaren Wegen bleibt.

Thematisch ist die Hauptgeschichte nicht sonderlich überraschend. Heimlich reisen wir in feindliche Lande wo wir uns geschickt auf die Suche nach unserem ersten Hinweis auf den Mondstein machen. Wie so oft können wir in Gefangenschaft landen, müssen Fremde einschätzen und uns mit Magie und List durch gefährliche Stadt- und Landstriche manövrieren. Gelungen ist dabei die thematische Einbettung. Es kommt gut durch, dass wir Magier sind und wenn wir uns für die Alchemistenfähigkeit entschieden haben, können wir sogar hin und wieder Tränke brauen. Auch hebt sich die Handlung durch zwei sympathische Begleitungen aus, die unsere Reise nicht ganz so einsam machen. Dadurch hat die Haupthandlung einen weitaus freundlicheren Ton als andere Magnamundbücher und fühlt sich lebendig an. Zwar wird uns durch die Begleiter ab und an eine Entscheidung abgenommen, das stört aber kaum. Zur positiven Stimmung tragen auch die neuen Illustrationen bei. Statt die klassischen Zeichnungen der Erstauflage neu zu verwenden, wurden neue Zeichnungen in Auftrag gegeben, die den Tuschestil des Originals gelungen treffen. Das kann hartgesottene Fans enttäuschen, führt für meinen Geschmack jedoch zu einem weitaus zeitgenössischeren und angenehmeren Spielgefühl. Hauke Kock leistet für beide Abenteuer gute und Liebevolle Arbeit, was auch für die schicke Farbkarte von Régis Moulun gilt. Die Innenillustrationen sind deutlich klassischer als das etwas gewöhnungsbedürftige Cover.

Die Jagd nach dem Drusenbaum

Wie schon angedeutet kommt auch die Greystar Reihe mit einem Haupt- und einem Bonus-Abenteuer daher. „Die Jagd nach dem Drusenbaum“ fällt dabei ausnahmsweise sogar umfangreicher aus, als der Kampagneneinstieg. Zwar hat das Abenteuer ‚nur‘ 165 Abschnitte, entgegen der typischen 350 des Hauptabenteuers, ein etwas ausführlicherer Schreibstil lässt das Abenteuer aber etwas mehr als die Hälfte der fast 500 Buchseiten füllen.

Das Bonusabenteuer kann dabei sehr überzeugen. Wir verkörpern einen Kräuterkundigen von Durenor, der ähnlich wie der Hauptcharakter erstellt wird. Das Naturthema wird im Abenteuer gut und detailliert umgesetzt, wir kriegen detaillierte Hinweise auf die Flora des Landes und können uns etwas in der Natur verlieren. Außergewöhnlicher ist die Tatsache, dass wir von „Rittern vom Weißen Berg“ begleitet werden, die uns in Kämpfen unterstützen und recht detailliert umgesetzt wurden. So verfügen sie über eigene Kampfwerte, einen auswählbaren Schwur und können sich in Kämpfen sogar dynamisch zurückziehen um Stärke zurückzugewinnen. Auch das Thema ist gut umgesetzt und führt zu größeren Scharmützeln und interessanten Interaktionen. Sogar der Tod einzelner Ritter ist möglich und wird ohne allzu großen Regelaufwand umgesetzt.

Fazit

Greystar ist eine mehr als würdige Ergänzung für die „World of Lone Wolf“. Das Buch hält den Standard der Hauptreihe und wirkt stellenweise sogar etwas frischer. Gerade der etwas hellere Ton der Reihe und die Zusammenarbeit mit Begleitern kann überzeugen. Auf Grund der zusätzlichen Magieregeln fällt die Reihe stellenweise etwas komplexer aus, wird aber nie zu kompliziert. Daher eignet sich Greystar gleichermaßen für Magnamundfans wie für Neueinsteiger und kommt wie gewohnt mit hoher Druckqualität für einen guten Preis daher.

 

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen