Der Amerikanische Bürgerkrieg als Hintergrund für eine Rollenspielkampagne

Ein Gastartikel von Totz66

Viele von Euch denken bei dem Thema vielleicht als erstes an Schlachten an Orten wie Mannassas oder Bull Run im Sprachgebrauch der Union, Shiloh, Antietam oder natürlich Gettysburg, anderen kommen Bilder aus Filmen wie Vom Winde verweht oder Fackeln im Sturm in den Sinn. Wieder andere denken an Sklavenbefreiung und Demokratie.
Mich beschäftigt immer noch die Antwort meines Geschichtslehrers auf meine Frage warum denn die 13 konföderierten Staaten nicht aus der Union austreten durften. Er sagte damals das sei in der Verfassung nicht vorgesehen, wer einmal dabei sei müsse auch dabei bleiben.
Tatsächlich ist das nicht richtig, es gibt keinen Passus der eine Mitgliedschaft für die Ewigkeit vorschreibt, sonst hätten sich ja die Gründerväter, die sich ja auch einfach von England unabhängig erklärt hatten, selbst ad absurdum geführt. Auf Grund dieser Antwort habe ich begonnen mich für diesen bedeutenden Teil der Geschichte Amerikas zu interessieren und wie der Ansatz zeigt sympathisiere ich dabei in einigen Punkten mit der hoffnungslosen Sache der Konföderation.
Sicher ist eine Gesellschaft von Sklavenhaltern an sich verachtenswert und die Gräuel Menschen nur wegen ihrer Hautfarbe als minderwertig und als Ware zu behandeln, ihnen jedes Menschenrecht abzusprechen und sie unter grausamsten Umständen wie Arbeitstiere als Sklaven zu halten spricht eigentlich gegen jede Form von Sympathie für die Rebellen.
Aber….die Konföderierten waren in dieser Auseinandersetzung so hoffnungslos unterlegen an Zahl, Waffen und Geldmitteln und haben nicht nur ihre Unabhängigkeit verloren sondern in den meisten Fällen ihre gesamte Lebensart, ihren Besitz und ihr Land so dass man sagen kann das sie von einem fremden System zur Änderung ihres gesamten Denkens und ihrer Lebensweise genötigt wurden – und wie ich finde auf der Basis einer falschen Auslegung des Staatsrechts.
Warum bietet dieser Hintergrund nun einen interessanten Rahmen für eine Kampagne oder auch nur einen One-Shot? Hier einige Schlagworte:

Abolitionismus (Bewegung der Sklavenbefreiung)
Konflikt zweier unterschiedlicher Gesellschaftsstrukturen der zum Untergang der einen führt
Technologischer Fortschritt
Blockadepolitik und die Folgen für Europas Industrienationen
Kriegshandlungen

Zum einen natürlich die alles überspannende Handlung der Sklavenbefreiung. Eine Gruppe die auf den Seiten der „Guten“ stehen will kann in diesem Fall aktiv an Ereignissen teilnehmen die eine ganze Bevölkerungsgruppe frei werden lässt – und die Folgen sehen die diese Freiheit bewirkt – im Guten wie im Schlechten.
Historisch möchte ich einwerfen das ich nicht zur großen Gruppe von Personen gehöre die den Bürgerkrieg als Mittel zur Befreiung der Sklaven sieht. In meiner Auffassung ist dieser Akt ein Teil eines politischen Konflikts und wird auch als ein politischer Schachzug durch die Lincoln – Administration eingesetzt.
Gründe hierfür sehe ich vor allem in Lincolns Haltung zur Sklavenbefreiung bei seinem Amtsantritt. Es ist ganz klar das Lincoln ein Gegner der Sklaverei ist. In seiner Antrittsrede garantiert er den Südstaaten noch die Sklaverei nicht anzutasten, für den Präsidenten zählte einzig der Erhalt der Union, selbst nach Beginn des Krieges verfolgte Lincoln noch Pläne die Sklaven von ihren Besitzern freizukaufen und nach Afrika oder Südamerika umzusiedeln.
Die Sklaven zu Beginn des Konflikts freizulassen hätte nach Lincolns Auffassung zur sofortigen Revolte großer Teile der Unionstruppen geführt (dafür gibt es schriftliche Quellen von ihm). So wagte er dies erst nach der Schlacht von Antietam, einem großen Sieg der Union 1862, weil es ihm sonst als Verzweiflungstat ausgelegt worden wäre.
Diese Freilassung hatte zudem, als sie endlich stattfand, etliche Vorteile für die Nordstaaten.
Sie verschaffte der Union zehntausende farbige Freiwillige (die die Unionsarmee aber zunächst nicht einsetzte weil man sie selbst für unwürdig hielt Seite an Seite mit Weißen zu dienen) und die Sympathien der europäischen Großmächte England und Frankreich, die kurz davor standen an Seiten der Konföderation in den Krieg einzutreten.
Drittens wurde so dafür gesorgt das den Sklaven im Süden klar war auf wessen Seite sie standen und es wurden Kräfte der Konföderation weiter in deren Kernland gebunden, die dadurch nicht an der Front eingesetzt wurden.
Außerdem verschaffte die Befreiung der Sklaven Lincoln und seiner Regierung eine gute Presse (1864 standen Neuwahlen an) und brachte die im Norden einflussreiche Abolitionistenbewegung auf Lincolns Seite, die bis dahin in der Presse viel Druck auf die Regierung aufgebaut hatte.
Weiterhin ist der Rückhalt für die Sklavenbefreiung in den Bevölkerungsschichten aus denen die Soldaten für die Unionsarmee rekrutiert wurden nicht so stark wie uns amerikanische Historiker gerne glauben machen wollen. Große Teile der Arbeiter im Norden befürchteten bei Befreiung der Sklaven mehr Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt und ein damit einhergehendes Lohndumping. Hinweis hierfür sind die New Yorker Draft Riots Anfang Juli 1863.
Neben einem prinzipiellen Unwillen sich den Einberufungsgesetzen der Regierung zu fügen lagen diesem Widerstand massive Befürchtungen vor allem der irisch stämmigen (zugBevölkerung zu Grunde ihre gut dotierten Arbeitsplätze mit Farbigen teilen zu müssen – diese Aufstände gingen so weit das Washington befürchten musste das New York sich, wie von seinem Gouverneur einmal davor angedroht, der Konföderation anschließen würde.
Lincoln sah sich gezwungen die Unruhen durch Teile der Armee niederschlagen zu lassen, die gerade in Gettysburg die entscheidende Schlacht des Krieges erfolgreich geschlagen hatte.
Die Unruhen und deren Beendigung durch die Armee der Union kosteten tausende von Menschenleben. Ich wage daher also die Aussage das die Sklaverei weiterbestanden hätte wenn Lincoln die Einheit der Union ohne sie hätte bewahren können, weil die Vorteile überwogen.
Sicherlich waren Lincoln und auch sein Kabinett keine Befürworter der Sklaverei aber sie waren politische Opportunisten deren erstes Ziel die Einheit der Nation waren und die alle dachten das die Sklaverei sich irgendwann von selbst auflösen würde, ganz nach dem historischen römischen Vorbild. Beispiel für diesen politischen Opportunismus ist in meinen Augen auch Lincolns Aussetzung der Habeas Corpus – Akte. Dadurch wurden viele Bürger, unter anderem der Vorsitzende des obersten Bundesgerichts (zugegebener Weise ein verknöcherter Freund der Sklaverei der einmal in einem Urteil geschrieben hatte „Schwarze haben keine einklagbaren Rechte“) für die Zeit des Krieges ohne Anklage oder Gerichtsverfahren eingesperrt wurden.
Wenn man seinen Spielern vor dem Hintergrund eines dazu passenden Spielsystems die Gelegenheit gibt an diesen Ereignissen teilzuhaben bieten sich mannigfaltige Möglichkeiten sich einzubringen.

Wie wurde Amerika mit seiner freiheitlichen Grundeinstellung und Verfassung (wenn man von der Rechtseinstellung Lincolns zu habeas corpus mal absieht überhaupt zu einer Nation von Sklavenhaltern?

Wieder einmal war es eine technische Revolution die die Sklaverei erst profitabel machte. Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Sklaven in großen Teilen des amerikanischen Südens als Erntehelfer und Hausarbeiter eingesetzt, aber ihre Zahl war im Verhältnis eher gering. Man baute Baumwolle an, die aber nur durch Handarbeit gewonnen werden konnte und die Zahl des Ertrags durch den Einsatz von mehr Sklaven zu erhöhen war nicht wirtschaftlich. Mit der Erfindung der Baumwollentkörnungsmaschine (der Cotton Gin) durch einen Nordstaatler änderte sich das.
Die Maschine konnte hundert mal mehr Baumwolle verarbeiten als ein Mensch, dadurch wurde es lohnend größere Felder zu bebauen und von billigen Arbeitssklaven bewirtschaften zu lassen – die riesigen Baumwollplantagen des amerikanischen Südens waren geboren auf denen teilweise tausende von Sklaven unter härtesten Bedingungen bis zu 16 Stunden am Tag arbeiteten.
Der Sklavenhandel wurde eine riesige wirtschaftliche Wachstumsbranche, vor diesem Hintergrund sich eine Existenz in der Gesellschaftsform des Südens aufzubauen oder als Politiker oder Wirtschaftstycoon aus dem Norden zu agieren bietet bestimmt einen Reiz wenn eure Spieler entsprechend gestrickt sind. In eine der beiden Welten einzutauchen und das was man hat zu bewahren oder als Kriegsgewinnler im Norden Karriere und Kohle zu machen kann durchaus ebenfalls Spaß machen.
Auch ein diplomatischer Ansatz kann spannend sein, denn durch die Blockade der konföderierten Häfen kam während des Krieges keine Baumwolle mehr nach Europa, englische und französische Arbeiter in den Baumwollspinnereien waren plötzlich arbeitslos, große Teile der Industrie brachen zusammen – die großen Nationen hatten also eigentlich Interesse daran, das wieder Baumwolle aus South-Carolina oder Louisiana anrollte, aber die Nordstaaten brachten die Schiffe fast alle auf und konfiszierten die Ladungen.
Wenn man eine auf die Seefahrt gestützte Kampagne spielt ist die Rolle des Blockadebrechers einmal ein ganz anderer Ansatz als die üblichen Seeschlachten der Linienschiffe.

Ein weiterer Bestandteil in diesem Konflikt sind die Ereignisse die Teile der Kriegsführung revolutionierten.
Der Amerikanische Bürgerkrieg wurde mit modernsten Waffen ausgetragen, ohne das dies ein Großteil der Offiziere am Anfang begriff. Waffen wie die Flinte mit gezogenem Lauf und die neue Minie´- Kugel rafften Soldaten zu Tausenden dahin und sorgten obendrein für eine Anzahl an Verkrüppelungen und Amputationen, die eine ganze Generation zeichneten.
Die Lazarette und Ärzte waren dem nicht mehr gewachsen, fast das gesamte Medizinwesen im Norden musste nun von Frauen geleitet und organisiert werden, sehr zur Verbesserung der Lage – ein wichtiger Schritt für die Gleichberechtigung der Frau im Beruf und später in der Politik.
Die Entwicklung von neuartigen Panzerschiffen (die Merimac bei den Konföderierten und die Monitor auf Seiten der Union) sorgten dafür das alle Kriegsflotten der Welt binnen eines Tages veraltet waren – Englands Herrschaft zur See war bedroht und die Europäer begannen Panzerschiffe zu bauen.
Gleichzeitig erpressten die großen Eisenbahnlinien der Central Pacific und der Union Pacific die Regierung in Washington ihre Pläne zum Bau einer interkontinentalen Eisenbahn zu unterstützen, z.B. drohte Kalifornien sich den Konföderierten anzuschließen (Kalifornien gehörte damals noch nicht als Bundesstaat zu den USA und brauchte die Eisenbahn für seine Entwicklung), wenn Washington nicht dabei mitspielen würde.
Hier gab es massive Versuche des konföderierten Geheimdienstes in Kalifornien einen Umsturz der lokalen Regierung zu erreichen – wer Spaß an solchen Geheimdienstgeschichten hat könnte hier z.B. als Pinkerton – Detektiv auftreten, die im Auftrag Washingtons verdeckt operieren.
Weiterhin ist die Sabotage kriegswichtiger Fabriken und Projekte im Norden auch eine Möglichkeit die Seite der Rebellen zu vertreten.

Zur Kriegsführung selbst muss ich wahrscheinlich nicht viel sagen, wer Spaß hat an der Seite von Major Anderson Fort Sumter zu verteidigen, bei Bull Run Teil der Stonewallbrigade zu sein, in der Wilderness zwischen brennendem Unterholz Feuergefechte auszuführen oder an Picketts Charge teilzunehmen, dem bietet sich vor diesem Hintergreund genug Stoff für Heldenmut, Ruhm, Blut,Tod und Ehre.
Wer hierbei lieber einen weniger gewalttätigen Aspekt bespielen möchte könnte sich in das Verwirrspiel den nächsten unfähigen General aus dem Hut zu ziehen, der als Oberbefehlshaber auf Seiten der Union versagt beteiligen. Es dauerte über zwei Jahre bis Lincoln in Grant jemanden fand, der abgebrüht genug war seine erdrückende Überlegenheit an Menschen und Material in diesem Konflikt auszuspielen. Bis dahin führte ein unfähiger Kommandant nach dem anderen die Unionsarmee in eine Katastrophe nach der anderen und im Kriegsministerium waren korrupte Beamte und Industriebarone fröhlich dabei ihr Scherflein ins Trockene zu bringen, auch das Fördern von Männern wie Grant, Sherman oder Sheridan vor diesem Hintergrund könnte einen lohnenden Plot abgeben.

Im Anschluss einmal einige bekannte oder weniger bekannte Ereignisse des Krieges die sich für einen Plot eignen könnten:

Das Kansas-Territorium und die Sklaverei

Zwischen 1854-1861 kam es im heutigen Bundesstaat Kansas zum Streit ob die Sklaverei dort erlaubt werden sollte. Dies war für ein überwiegend landwirtschaftlich genutztes Gebiet nicht von der Hand zu weisen, außerdem kochten sowohl im Norden als auch im Süden die Gemüter hoch, denn jeder wollte den zukünftigen Staat für „seine“ Position in der Sklavenfrage vereinnahmen. Beide Seiten stellten räuberische Trupps auf die die jeweilige andere Seite angriffen und dabei regelrechte Schlachten um einige Ortschaften schlugen. Es entstand der Begriff des „Bleeding Kansas“.Schließlich wurde 1861 ein sklavenfreier Staat Kansas in die Union eingegliedert.

John Brown

Der Abolitionist John Brown griff zu gewalttätigen Mitteln um seine Ziele zur Befreiung der Sklaven durchzusetzen. Er nahm schon an den Kämpfen in und um Kansas Teil. Dabei zerhackte er mit seinen 6 Söhnen mehrere Unterstützer der Sklaverei mit Säbeln in Stücke.
Im Oktober 1859 führte er 21 Männer nach Harpers Ferry in Virginia und nahm das dortige Waffenlager ein. Ziel war es die Waffen den Sklaven zu übergeben und mit deren Hilfe die Regierungen des Staates Virginia und anschließend der anderen Sklavenhalterstaaten zu stürzen.
Der Versuch wurde durch die von der Regierung entsendete Truppen unter dem Kommando von Robert E. Lee unterbunden.
Der Staat Virginia machte Brown den Prozess und lies ihn schließlich wegen Hochverrat hinrichten. Dieser Akt führte trotz seiner praktischen Rechtmäßigkeit zu einem tiefen Zerwürfnis mit dem Norden, wo es starke Unterstützung für Brown gab.

Lincolns Reise zur Amtseinführung

Lincoln sollte auf seiner Reise mit dem Zug nach Washington von einem Attentäter aus dem Süden getötet werden. Die Verschwörung wurde aufgedeckt und Lincoln im extrem dem Süden verbundenen Baltimore (US-Staat Maryland) heimlich durch die Pinkerton Detektei aus dem Zug gebracht und auf Schleichwegen nach Washington geschafft.

Lee lehnt die Führung der Unionsarmee ab

Robert E. Lee wurde von Abraham Lincoln zum Beginn des Bürgerkrieges die Führung der Unionsarmee angeboten, doch dieser lehnte ab weil er sich deinem Heimatstaat Virginia stärker verbunden fühlte, trat aus der Armee der Union aus und schloss sich der konföderierten Armee an, die er ab 1862 führte nachdem er zuvor der führende Berater des konföderierten Präsidenten Jefferson Davis war.

Festnahme und Freilassung konföderierter Diplomaten

1862 bringt ein Blockadeschiff der Union ein britisches Handelsschiff auf weil es zu Recht konföderierte Diplomaten auf dem weg nach London an Bord vermutet. Die Diplomaten werden festgenommen. Das es sich um ein britisches Schiff handelt kommt es zu schweren diplomatischen Verwicklungen, der britische Premierminister entsendet sogar Truppen nach Kanada (britisches Hoheitsgebiet damals). Lincoln ist gezwungen die Diplomaten laufen und nach England transportieren zu lassen, um einen Krieg mit Großbritannien zu verhindern.

Parade auf der Halbinsel

1862 schickte sich der damalige Oberbefehlshaber George McClellan an mit der Potomac – Armee, ca. 150.000 Mann über See auf die Halbinsel nahe Richmond überzusetzen. Die Konföderierten sind nicht vorbereitet und der Weg zur Rebellenhauptstadt frei. McClellan steht kurz davor den Krieg zu gewinnen und die Rebellion zu beenden.
Vor ihm liegt nur noch ein kleines Kontingent von Konföderierten, etwa 5.000 Mann, viel zu schwach um den Feind aufzuhalten sollte man denken. Doch der Rebellenkommandant MacGruder, der zu theatralischen Auftritten neigt, lässt den ganzen Tag seine Soldaten in kleinen Einheiten in Sichtweiten der Yankees auf und ab marschieren. Mit dieser Parade überzeugt er McClellan davon auf überlegene konföderierte Streitkräfte getroffen zu sein. McClellan gräbt sich mit seinen 150.000 Mann ein und vergeudete mehrere Tage bis er hinter MacGruders List kommt. Bis die Union weiter vorrückt hat Robert E. Lee schließlich Truppen zusammengezogen mit denen er die immer noch deutlich zahlenmäßig überlegenen Soldaten der Union wieder von der Halbinsel vertreibt. Die Union gewinnt dabei 12 von 13 Schlachten gegen die Konföderierten, aber McClellan entscheidet sich sich zurückzuziehen.

Arlington National Cemetery

Der Bürgerkrieg forderte wohl über 600.000 Tote auf beiden Seiten. Tatsächlich waren bald die Gräber auf den Militärfriedhöfen belegt. Es musste ein neuer Friedhof gefunden werden. Der damalige Generalquartiermeister der Union, Montgomery Meiks, der gerade seinen Sohn durch den Krieg verloren hatte, enteignete dafür kurzerhand das Wohnhaus und Land von Robert E. Lee, dem Anführer der konföderierten Armee und brachte so die Toten für die Lee in Meiks Augen verantwortlich war auf dessen Türschwelle.
Heute ist der Arlington National Cemetery mit über 260.000 Gräbern auf 80 Hektar der größte Friedhof der USA.

Vicksburg

Die Rebellenfestung Vicksburg wird 1863 monatelang von der Union unter Grant belagert. Die Stadt wird dabei von Land und dem Fluss (Mississippi) aus durch Artillerie stark beschossen. Die Bewohner müssen sich komplett in die lehmigen Hügel eingraben weil ihre Häuser zerstört werden. Tausende Menschen treiben Gänge in die Hügel auf der die Stadt steht. (So, liebe Vampire – Spieler, was glaubt ihr wie das die Nosferatu der Stadt fanden und was das aus der Maskerade so macht?)

Krieg um Schuhe

Die entscheidende Schlacht fand angeblich wegen Schuhen statt. Die schlecht ausgerüsteten Konföderierten waren im Laufe des Krieges nicht mehr in der Lage ihre Truppen mit grundlegenden Gütern zu versorgen. Daher hatte fast kein Rebell mehr ein ordentliches Paar Stiefel an den Füssen. Bei einem Krieg der 1863 schon ohne Unterbrechung ins dritte Jahr ging eher fies (vor allem im Winter). Als die Armee von Nord Virginia (Name der Konföderierten Armee) nach Norden vorrückte, verbreitete sich das Gerücht das es in dem kleinen Ort auf dem Weg ein Kontingent Stiefel geben würde. Die ohnehin wild plündernden Konföderierten entschlossen sich die Schuhe zu requirieren. So trafen sie in dem kleinen Städtchen ein und trafen dort auf die Unionskavallerie unter John Buford die sie in ein Scharmützel verwickelte aus dem sich vom 1.-3.Juli1863 die Schlacht von Gettysburg entwickelte, die den Krieg zu Gunsten der Union entschied. Ob die Rebellen Schuhe fanden ist mir übrigens nicht bekannt.

Stimmung des Settings

Abschließend noch ein Satz zu der hauptsächlichen Stimmung die ich für eine Kampagne vor diesem Hintergrund sehe. Es geht um Verlust von allem was einem lieb und teuer ist (bitte hier mal das Sklaventhema außen vor lassen).
Eine stolze, aristokratische Gesellschaft, dominiert von Ehre und Standesdenken, die sich dem gesellschaftlichen Streben nach Fortschritt und Modernisierung des Nordens aus romantischen Beweggründen verweigert, sucht den Weg in die Unabhängigkeit um ihren way of Life zu erhalten, riskiert dafür alles und scheitert.
Alles was Wert hatte geht verloren, das ehemals fruchtbare Land ist durch den Krieg verwüstet, die Steuern nach dem Krieg führen dazu das man sein Land an Spekulanten aus dem Norden verliert und ein Besitzloser im eigenen Land ist.
Dieser schleichende Verlust von allem was man so liebt bietet einen wunderbaren Ansatz für eine echte Tragödie.

5 Kommentare zu Der Amerikanische Bürgerkrieg als Hintergrund für eine Rollenspielkampagne

  1. Hey, der Artikel ist wirklich spannend. Ich beschäftige mich die letzte zeit auch damit und möchte zumindest eines anmerken: Indians!
    Zur Zeit des Bürgerkrieges war der Westen Amerikas zusätzlich auch noch in verschiedene Kriege mit „Indianern“ verwickelt. Die USA waren also an zwei fronten zugleich und hier mischen sich auch viele Dinge. So warf der Norden den Indianern z.B. vor selber Separatisten zu sein und behauptete viele „Indianer“ würden sich mit den Südstaatlern zusammenschließen. Auch hier sehe ich einiges an Konfliktpotential und könnte man sein Abenteuer vllt. in einem abgelegeneren westlichen Staatsteil durchführen, wo sich der Bürgerkrieg eher indirekt zeigt. Also durch klassische Wild-West Probleme die durch die Abwesenheit großer teile der Armee und politische Konflikte anfeuern.

    Was die Sklavenfrage angeht so bist du da nciht alleine damit, dass Lincoln zuerst die Union retten wollte und die Sklavenbefreiung sozusagen nur Nebenprodukt war. Meines Wissens ist das in halbwegs souveränen Kreisen in Amerika längst Konsens.
    Was den verlust der Souther peculiarity angeht bin ich mir da übrigens nicht so sicher. Bis heute wird dieser Weg ja immer noch zelebriert und die Reconstruction wurde ja sehr schnell und problemlos von der Jim Crow Era übernommen (auf deutsch: auf anfängliche progressive Bewegungen im Süden und Rechte für Schwarze folgte ziemlichs nchnell die Rassentrennung). Ich glaub man muss also doch noch mehr als du behauptest aufpassen das man hier nicht in falsche Sympathien umschlägt…

    • Die Indianer wollte ich nicht auch noch mit rein nehmen, zumal sie erst nach dem Krieg wieder zum Hauptthema wurden. Während des Sezessionskriegs versuchte die Union eher sich da mit Abkommen den Rücken freizuhalten, die dann wieder durch Goldfunde in den Black Mountains und die Eisenbahn allgemein durch die weissen Siedler gebrochen wurde.

      Was die historische Beurteilung von Lincolns Haltung in der Sklavenfrage angeht muss man meiner Ansicht nach zwei Dinge beachten. Lincoln, obwohl während seiner Amtszeiten viel gescholten, die Presse und sein Oberkommandierender McClellan natten ihn nur den „Gorilla“, steht im sehr patriotischen Amerika dieser Tage als DER gute Präsident der USA da und speziell die Amerikaner rütteln nicht gern an ihren Idolen und Legenden.

      Dann wird der Bürgerkrieg auch aus Sicht der schwarzen Bürgerrechtsbewegung (bitte nicht abwertend verstehen) als reiner Krieg zur Beendung der Sklaverei interpretiert. Ich möchte hier mal allgemein für die großartige 9-teilige Bürgerkriegsdoku von Ken Burns werben, in der dieser Punkt sehr prominent durch eine farbige Dozentin vertreten wird.
      Aus Sicht dieser Gruppierung passt es natürlich ins Konzept diesen Konflikt auf die eigene Bevölkerungsschicht und deren Befreiung zu konzentrieren, weil das auch deren Selbstverständnis und Ziele danach in den Mittelpunkt rückt.
      Auch diese in meiner Sicht äusserst einseitige Sichtweise finde ich nicht schlüssig – das ist aber ein Punkt den kein amerikanischer Historiker aussprechen kann, ohne Gefahr zu laufen als Redneck und Rassist dazustehen.

  2. Zumindest für Colorado wage ich mit recht hoher Sicherheit zu sagen das deren Indian War 61-65 relevanter war als der Bürgerkrieg. Gerade solche ‚remote areas‘ wären daher eine möglichkeit den akzent überraschenderweise umzukehren.

    Was deinen Abschlusssatz angeht kann ich diese Einschätzung absolut nicht teilen. Fast das erste was ich über den Civil War erfahren hab war, dass er um die Union ging und die Sklavenbefreiung darin nur ein Zahnrad war…
    Ja, es gibt eine populäre fokussierung auf das Sklaventhema, wenn gemäßigte liberale versuchen Amerika eine antirassistische Geschichte zu verpassen… Aber den von dir genannten leuten geht es meist darum den Bürgerkrieg in dieser hinsicht(!) zu beurteilen, nicht darum den Bürgerkrieg als Krieg zur Befreiung der Sklaven zu lesen. Dafür legt die bürgerrechtsbewegung zu viel Wert auf selbstbefreiung und ist in ihren radikalen ausläufern viel zu antiamerikanisch um Amerikkka diesen Willen zu unterstellen.
    Meiner Erfahrung nach sind die Erben der Bürgerrechtsbewegung daher heutzutage eher darauf aus ein bewusstsein für den Schwarzen anteil im Civil War zu betonen, also die schwarzen Regimenter die den Lincoln Film beginnen und es zu Bilderbüchern gebracht haben…

    Diskustierbar ist das aber in der amerikanischen intellektuellen Öffentlichkeit allemal, wenn nicht längst common ground…

  3. Colorado war auch zu dieser Zeit dünn besiedelt, quasi unbewohnt. Die Erzvorkommen die dort heute als Bergbauregion das Bild prägen waren noch garnicht erschlossen – Colorado dürfte damals nicht sehr wichtig gewesen sein was die nationale Bedeutung angeht.
    Ich muss nochmal klarstellen, die Historiker die ich dazu gehört (nicht gelesen) habe waren beide in einem Alter das sie an Dr. Kings Marsch nach washington teilgenommen haben könnten – und um ihr Recht kämpfen mussten im Süden der 60er Jahre eine Universität in einer anderen Funktion betreten zu dürfen als in der einer Köchin oder Putzkraft.
    Diese Leute legen schon von ihrem Selbstverständnis her Wert darauf das die Freiheit der Sklaven einen höheren Stellenwert hat als die Einheit der Union. Wenn man ein einschneidendes Erleignis wie den Bürgerkrieg mit dieser befreiung der Sklaven erklärt erhöht man auch den eigenen Kampf um die Bürgerrechte – erklärt man den Bürgerkrieg mit schnöden wirtschaftlichen und politischen Gründen degradiert man das Ereignis der Sklavenbefreiung und damit auch letztlich die eigenen Ziele.

  4. Gleichzeitig gesteht man damit aber auch zu, das man sich nicht selber befreit hat, sondern das weiße Amerika. In sofern bin ich es von Civil Right Argumentationen gewohnt das zwar der Fokus auf die Sklavenbefreiung im Bürgerkrieg gelegt wird (ja) aber diese nicht als Grund für den Bürgerkrieg sondern als Ergebnis genommen wird. Man muss ja auch schon selten verwirrt/optimistisch sein um Amerika für seinen Rassismus zu kritisieren und gleichzeitig davon auszugehen das Amerika einen Bürgerkrieg gegen die Sklaverei geführt hat

    Was Colorado angeht so war das damals nicht von der großen Relevanz, das stimmt. Fürs Rollenspiel sagt das aber wenig aus, siedelt doch ein großteil des western genres an diesem New Frontier und ist der Konflikt zwischen Süd-/ und Nordstaatssympathiisanten in diesem Zwischenstaat durchaus interessant. Anmerken muss ich aber natürlich das Colorado heutzutage alles andere als eine bergbauregion ist, aber du recht hast dass man erst ende der 70er von nationaler bedeutung und konzentriertem bergbau reden kann…

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