Delta Green: The Rules of Engagement

Cthuloide Novelle

Ich lese gerne. Das hat vermutlich der eine oder andere mitbekommen, der mal ab und an bei meinem Blog vorbeischaut. Zu den Dingen, die ich gerne lese, gehören auch Horror-Romane, und vor allem auch gerne „Cthulhu-Mythos“ Geschichten – wenn sie gut sind. Zu oft liest man Geschichten, in denen der Autor mehr oder weniger bei Lovecraft einfach abschreibt, oder einfach nur das Thema gänzlich verfehlt. In einer solchen Geschichte geht es nicht darum, das irgend ein Okkultist mit Zauber und Feuer das Böse austreibt, sondern eher darum, das ein einzelner mit viel Glück die Dunkelheit noch einen Tag lang hinausschiebt. Doch während es bei Cthulhu-Fiktion zu einer gewissen Verkalkung gekommen ist, hat ende der Neunziger ein gewisser John Tynes mit Delta Green die Rollenspielwelt aufgemischt: Eine faszinierende Mischung aus X-Files und Cthulhu-Mythos, zusammengeschnürt mit einigen klassischen Verschwörungstheorien. Aber neben dem Regelwerk und den Ergänzungsbänder hat der gute John auch einen Roman in dieser Welt angesiedel. Kommt dieser Roman an das heran, was er mit Delta Green vorgelegt hat?

Die Geschichte beginnt damit, das eine Agentin der Verschwörung Delta Green kurz davor ist, Selbstmord zu begehen sie ein Anruf von „Agent Alfons“ erhält, dem Leiter von DG – kurze Zeit später ist sie zusammen mit ihrer Zelle auf dem Weg in die Stadt Groversville, wo (Wie Besitzer von DG wissen) Experimente an Einwohnern gemacht wurden mit „Neo-Gewebe“. Groversville ist verschwunden, zusammen mit einem verschwundenen DG_Agenten. Jetzt steht dort die Konzernstadt Promise, und es stellt sich heraus das der verschwundene Agent in den Händen von NRO DELTA ist, einer „Schwarzen Regierungsorganisation“, die zu „Majestic 12“ gehört. Die Delta Green Zelle muß flüchten, plant aber einen Gegenschlag gegen eine Einrichtung dieser Gruppe. Ab da verdichtet sich die Handlung noch weiter, Stephen Alzis von The Fate spielt eine nicht unerhebliche Rolle beim Versuch, den verschwundenen Agenten Shasta aus einer Forschungsanstalt in der Karibik. Doch was dabei wirklich passiert ist ein Geheimnis, das auf der ersten Seite verraten wird – aber erst in den letzten Seiten erklärt…

John Tynes gelingt es hier, eine unheimlich dichte und spannende Geschichte zu weben, ohne dabei den Leser zu überfordern oder ihn vor den Kopf zu stoßen. „The Rules of Engagement“ funktioniert nicht so gut als reiner Cthulhu-Roman, das wäre aber rein durch die Prämisse von Delta Green schon schwer zu machen. Tynes hat gewichten müssen, und ich bin der meinung, er hat richtig entschieden als er seinen Schwerpunkt eher auf die „Agentenhandlung“ legte als auf den Mythosaspekt – auch wenn dieser auch nicht zu kurz kommt. Als alleinstehender Roman funktioniert dieses Buch hervorragend, doch am meisten Vergnügen hat der Leser, wenn er „Delta Green“ und „Delta Green: Countdown“ kennt – viele Elemente der beiden Bücher werden zumindest angespielt, mache spielen sogar eine wichtige Rolle: Agent Nancy ist mit von der Partie, ebenso Phenomen-X, die Outlook Group und viele mehr.

Alles in allem alle Tentakel hoch für diesen spannenden und abwechslungsreichen Roman – jede Seite ein Genuß.

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