Das Leben eines Gezeichneten – Teil 47

Bastrabuns Bann - Teil 3

26 Rondra
Wir mussten nicht lange auf Tarlisin vor dem Badehaus warten und dank seinen überaus freundlichen Worten durfte auch Taruk das Gebäude betreten. Ich hatte sehr, sehr lange kein Badehaus von Innen mehr gesehen, und dieses war auch noch überaus hübsch anzusehen. Etwas unwohl fühlte ich mich allerdings schon, als wir dann natürlich unsere Kleidung ablegen mussten und ich nicht auf einen sondern eben auf zwei Zauberstäbe aufpassen musste, und einer davon auch noch leicht abhanden kommen konnte. Tar fand diesen Umstände äußerst erheiternd und wollte unbedingt mehr von de Stab wissen. Ich vertröste ihn jedoch auf später.
Wirklich helfen konnte er uns allerdings auch nicht. Er wusste von Steinen in Rashdul und hatte selbst einen Teil des Bannspruches in der Bibliothek der Ordensburg gefunden, den er uns natürlich gerne überlassen würde, wenn wir ihn später begleiten würden.
Die ganze Sache hätte in schönes Ende nehmen können, wenn nicht irgendwer auf die Idee gekommen wäre, Tar umbringen zu wollen… Als wir dem Wasser entstiegen und uns in die Kammer begaben um in den Gerüchen eines Aufgusses zu schwelgen, warf der Diener, der eigentlich das Wasser über die heißen Steine gießen sollte, eine Wurfscheibe auf Tar und schickte ihn zu Boden. Taruk und Leowulf rannten in die Dampfschwaden in Richtung des Angreifers und ich kümmerte mich um Tar.
Es verging einige Zeit voller Kampfeslärm aus dem großen Raum mit dem Badebecken und dann einem Klirren von Glas und es wurde ruhig. Wieder etwas später erscholl Leowulfs Stimme, die nach mir rief und dann auch Leowulfs Gestalt, die einen Mann an den Füßen in Richtung Raum zerrte.
Tar ging es inzwischen wieder besser und auf mich gestützt begaben wir uns alle in den größeren Raum. Taruk kletterte durch das zerbrochene Fenster wieder herein und teilte uns seinen Misserfolg bezüglich der Verfolgung eines anderen Attentäters mit. Die Besitzerin des Etablisments entschuldigte sich tausendfach bei uns für die ganze Sache, aber meine Gedanken kreisten nur um das Warum des Ganzen. Als ich den Mann näher untersuchen wollte, schrie er los – offensichtlich aus der Bewusstlosigkeit erwacht – und spuckte dann Ungeziefer von sich. Leowulf und Taruk versuchten sie zu zertreten und ich untersuchte den Mann von innen nach der Ursache. Zwischen seinen Eingeweiden saßen jede Menge weitere dieser Kreaturen. Entweder war dies eine sehr schlimme Form von Unreinheit, oder er hatte einen Pakt mit Mishkara geschlossen. In jedem Fall wollten Leowulf und Taruk dafür sorgen, dass er verbrannt wurde, während ich Tar zur Ordensburg begleitete.
Dort eingetroffen zeigte er mir jene Textstelle, die nur eine von vielen zu sein schien, aber immerhin besser als nichts. Auch konnte er mir den möglichen Aufenthaltsort von einem weiteren Stein erklären, der bei einer umherziehenden Zauberin sein sollte, die zwei Tagesreisen von hier entfernt lagerte.
Ich sollte ihr einen Ring überreichen, als Zeichen der Wertschätzung. Ich frage mich was Tar ihr zu verdanken hat? Wir sprachen noch ein wenig über alte Zeiten und wie es uns beiden inzwischen ergangen war, bis die anderen mit Greifwin eintrafen.
Ich blieb den Abend über in der Burg um noch ein bisschen in der Bibliothek zu stöbern und mich weiter mit Tar auszutauschen.

27 Rondra
Wir brachen früh morgens auf und erreichten gegen Mittag ein kleines Lager von Plünderern wie es mir schien. Allerdings in einer Art Bedrängnis. Auf ihnen liefen kleine Punkte umher und fraßen ihr Fleisch von den Knochen. Ich wirkte eine Welle des Schmerze um die lästigen Plagegeister los zu werden und musste mir zum Dank anhören, dass sie eigentlich bewegte Steine gewesen waren, die die Gruppe hier sammelte um sie an reiche Leute zu verkaufen, die den Glanz der Flügeldecken schätzten.
Ich behielt mir vor die Beute dieses Tages an mich zu nehmen. Mondsteine hatten sie leider noch nie gesehen.
Wir rasteten unweit des Weges und aßen jenen Proviant, den wir aus Anchopal mitgenommen hatten.

28 Rondra
Schon kurz nachdem wir los geritten waren, tauchten am Horizont die Häuser von Samra auf, und Greifwin bestand darauf, dass wir die Nacht hier verbringen würden… naja bestand ist vielleicht das falsche Wort. Er schien keine guten Erinnerungen an das Dorf zu haben und ich verband auch einige interessante Erfahrungen damit.
Wir machten uns direkt auf zu den Ruinen, in der Hoffung, dass dort vielleicht etwas zu finden sein würde. Entdeckten allerdings nur eine weitere dieser Kanopen auf der anderen Seite des Mhanadi. Greifwin musste mal wieder den Helden spielen und den Fluss so durchqueren um auf der anderen Seite die Wand zu erklimmen. Wir anderen traten den Umweg über Samra an, unterbrochen durch einen Baumgeist, der mich aber nicht sonderlich reizte und wir ihn so links liegen ließen.
Auf der anderen Flussseite ließ ich mich auf den kleinen Vorsprung zur Kanope herunter und untersuchte die Seite die ich sehen konnte. Augenscheinlich waren diese Gefäße eine Art Randbegrenzung für den Bannspruch und sollten den Zauber zwischen sich aufbauen. Mitnehmen konnte ich sie allerdings schlecht, aber ich hatte immerhin einige der Stücke der Zerbrochenen dabei, auf denen wohl dasselbe stehen würde.
Als ich wieder nach oben klettern wollte, meinte eine Möwe mir Konkurrenz machen zu müssen und ich sah mich schon in den Fluss stürzen. Sie wollte allerdings wohl nur ihr zuhause verteidigen, denn sie verschwand dann auf der anderen Seite des Gefäßes.
Den Abend verbrachten wir in Samra ohne das irgendwelche merkwürdigen Zwischenfälle – sah man einmal von er Vorliebe der Schwarzhaarigen für Greifwin ab – auftraten.

29 Rondra
Heute sollten wir in jenem Lager eintreffen in dem vielleicht ein anderer der Steine auf uns wartete. Und gegen Mittag sahen wir auch die Wagenburg, die uns das Lager ankündigte. Die Zauberin war schnell gefunden, stellte sich aber als überaus senil heraus, die nicht einmal ihren eigenen Vertrauten wieder fand.
Immerhin schickte sie uns zu einem anderen Ort. Ich fürchtete allerdings schon in die Irre, bis wir tatsächlich auf eine kleine Hütte trafen. Man hieß uns verholen willkommen, und ich staunte ein bisschen über die doch beträchtliche Anzahl an Büchern auf kleinem Raum. Der Mann war vermutlich Druide oder Hexer, zumindest irgendwie magisch begabt. Und hatte leider keinen der Mondsteine. War sich aber sicher, dass einer davon in Mherwed zu finden sei.
Die Nacht durften wir bei der Hütte verbringen und teilten so unser Essen mit dem schweigsamen Mann und seinem Kater.

30 Rondra
Jetzt durften wir die ganz Strecke wieder zurück reiten… und verbrachten den Abend dann wieder in Samra.

1 Efferd
Nachmittags erreichten wir Borbra. Das Städtchen, dass Tarlisin neu gegründet hatte, auf den Ruinen des alten Borbra. Und hier sollte auch die Eiche stehen, die aus seinem Stab entwachsen war… und das Haus seiner Familie. Ich würde ja zu gerne seinen Sohn mal sehen. Aber leider fand ich das Haus verlassen vor. Und auch sonst machte das Dorf einen recht einfachen Eindruck. Einzig der Tsatempel wirkte prächtig.
Abends errichteten wir unser Lager wieder direkt neben der Straße und während meiner Wache tauchte doch tatsächlich eine Schlange aus dem Gebüsch rechts von mir auf und zischelte mich an. Erst dann erkannte ich, dass sie irgendwie auch Beine zu haben schien. Und einen Skorpionsschwanz. Eine Chimäre also. Vielleicht sogar halbwegs natürlich entstanden durch irgendetwas, dass von der Gor herunter gekommen ist.
Ich versuchte mich auf das Tier einzustimmen und trotz meiner geringen Kenntnis in Sachen Chimärologie konnte ich das Tier überzeugen, dass es besser wäre, wenn es mich als Herren anerkannte. Recht zufrieden mit mir selbst nahm ich das Tier hoch und untersuchte es genauer. Es war eine Mischung aus Schlange und Skorpion, recht kunstfertig gestaltet und sicherlich an beiden Seiten höchst gefährlich. Vielleicht konnte ich es noch gut gebrauchen, falls nicht Leowulf das Tierchen zu Gesicht bekam.

2 Efferd
Am morgen ritten wir weiter, die Schlange war sicher in meiner Robe verstaut und schien zu schlafen. Kurz nach unserem Aufbruch stießen wir auf ein weiteres Tier derselben Art, allerdings ohne Beine. Leowulf erschlug es direkt, wie ich befürchtet hatte.
Abends rasteten wir wieder nahe der Straße, doch diese Nacht schien uns nicht gewogen.

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