Das Leben eines Gezeichneten – Teil 27

Unstillbare Gier - Teil 10

5 Firun
Ich erwachte am nächsten Morgen – glücklicherweise hatte ich mein Zimmer für mich alleine – und wusch mich kurz, nur um festzustellen, dass das Mädchen von gestern Abend wieder hier war und mir ein neues frisches Handtuch reichte. Und ich hatte gehoffte das mein Ignorieren am vergangenen Abend gereicht hätte um es zu vertreiben.
Die ganze Sache zunächst weiter ignorierend ging ich frühstücken – etwas schwierig mit nur einer Hand – und dann zum Rondratempel um mich nach Leowulf zu erkundigen. Latu ging zusammen mit mir und Greifwin wollte später nachkommen und erst einmal Baden gehen.
Im Tempel sagte man uns, dass es noch sehr schlecht um ihn stehen und es noch einige Zeit dauern würde, bis er sich erholt hätte. Latu versuchte indes den Rondrageweihten zu erzählen, was im Turm passiert ist, aber es wollte ihm niemand recht glauben, und von außen betrachtet klang das ganze auch recht unglaubwürdig.
Nachdem sich auch Greifwin von Leowulfs Zustand überzeugt hatte, beschlossen wir, dass wir zu dritt zum Herzog reisen würden um ihm davon zu berichten.
Den Abend verbrachten wir wieder in Anderat, wie auch auf dem Hinweg und diesen Abend wurde ich von Heimsuchungen jeglicher Art verschont.

6 Firun
Kurz vor Einbruch der Dämmerung erreichten wir die Burg des Herzogs in Trallop. Der Herzog empfing uns erfreut und herzlich mit einem Essen und wir erzählten ihm von den Geschehnissen im letzen Monat. Er war ganz und gar nicht erfreut, dass der Vampir noch immer auf freiem Fuß war, aber als wir ihm versicherten, dass jetzt die Zahl der verschwundenen Menschen auf ein Mindestmaß, dass normal war, zurückgehen würde, war er zunächst beruhig. Allerdings schien auch er uns nicht wirklich Glauben zu schenken was die Sachen im Turm betraf.
Wir nächtigten in der Burg wieder in unseren alten Zimmern – Latu überließ mir seinen Wärmestein – und ich genoss die Ruhe vor dem in nächster Zeit auftauchenden Sturm. Ich träumte in dieser Nacht von einer Schlacht an einem Berg, zuerst zwischen Orks und Menschen, dann zwischen Menschen und Orks. Sehr merkwürdig. Ob das etwas zu bedeuten hatte?

7 Firun
Wir erhielten jeder 60 Dukaten und durften uns aus der Kammer des Herzogs etwas mitnehmen. Latu wählte einen Speer, Greifwin ein langes Schwert. Nur mir fiel zwischen den ganzen Waffen und Rüstungen nichts ins Auge, das mir passend erscheinen würde.
Ich streifte durch die Gänge, die durch die Kisten in der Kammer gebildet wurden, bis ich wiederum das kleine Mädchen vor mir sah, dass eifrig eine kleine Kiste begutachtete und dann erfreut drauf zeigte.
Ich sah mich um, aber alle waren mit etwas anderem beschäftigt, und öffnete die Kiste. Innen lagen jede Menge alte und neue Ringe und ich fragte mich was ich damit anfangen sollte, als das Mädchen zwischen meinen Armen hindurch griff und einen alten bronzefarbenen Ring in die Höhe hielt.
Ich machte den Herzog auf mich aufmerksam und fragte ihn was das für Ringe seien, die er hier sammelte, und er sagte, es seien jene, die er Räubern und Plünderern abgenommen hätte und seine Vorfahren ebenfalls, weshalb er auch nicht genau sagen könne, was sie im einzelnen Wert seien. Ich wählte also den bronzenen Ring und steckte ihn meine Robentasche.
Wir beschlossen, dass wir uns in etwa einem halben Jahr wieder hier treffen und zunächst unseren eigenen Nachforschungen nachgehen würden. Ich wollte Nachsturm noch immer nicht durch den Schnee führen und konnte ihn so lange beim Herzog stehen lassen. Meine Hand begann seltsam zu jucken und als ich den Verband wechseln wollte stellte ich mit Entsetzen fest, dass sich die feinen Adern meiner Hand rot leuchtend gefärbt hatten, welches besonders auf meinem Zeigefinger einen absurden Eindruck machte. Ich hoffte ich hatte mir nicht etwas wie eine Blutvergiftung geholt, als ich mit meinen Händen im Inhalt des Kessels herumgefischt hatte.

8 Firun – 26 Praios
Ich reiste per Karakil zurück nach Brabak um die bisherigen Erlebnisse der Spektabilität zu berichten, stieß aber auf Unverständnis und eine mir nicht ganz eindeutig erscheinende Haltung der Sache gegenüber. Ich hatte schon länger erwogen ein Zweitstudium an einer anderen Akademie zu machen und es schien mir der geeignete Zeitpunkt die Sache anzusprechen, bevor sich die Ansichten hier noch weiter entfernten und ich letztlich einen schwereren Stand haben würde.
Die Färbung meiner Adern hatte sich weiter etwa bis zur Hälfte des Unterarms hinaufgezogen und war Peraine sei Dank dort stehen geblieben und nicht weiter gewandert. Ich würde Handschuhe tragen müssen.
Mit einer Empfehlung reiste ich in Richtung Fasar um bei Atherion vorstellig zu werden und um ein Zweitstudium an seiner Akademie zu bitten. Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen mich auch hier Testweise umzuhören wie die Einstellungen zu dieser Sache waren und stieß erfreut auf ähnliche Ansichten wie die meinigen.
Da ich mich mit Latu und Greifwin für den Sommer in Weiden verabredet hatte, musste ich mein Studium noch ein wenig aufschieben und würde dann im Efferd zurückkommen. Ich hatte inzwischen den Namen der Burg von der ich inzwischen mehrmals geträumt hatte erfahren – Arras de Mott, ein Praioskloster im Finsterkamm, dass von den Orks geschliffen worden war und jetzt wieder aufgebaut wurde.
In Trallop konnte ich nun endlich mein Pferd wieder mitnehmen und traf auch auf Greifwin – der in Gareth gewesen war – und Latu – der versucht hatte der Ifirnkirche die Geschehnisse näher zu bringen. Mit einigem Erstaunen stellten wir fest, dass wir alle etwas in Greifenfurt oder seiner Umgebung suchten und so brachen genau dorthin auf.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*