Das Leben eines Gezeichneten – Teil 11

Unter dem Adlerbanner Teil 4

11 Rondra
Wir erhielten unsere Gegenstände, die wir auf dem Gut hatten lassen müssen, zurück. Ebenso unsere Pferde und ein wenig Proviant. Ich erhielt mein Buch nicht zurück… vermutlich behielt es der Hesindegeweihte… ich werde ihn fragen müssen, ob ich es zurück habe darf. Oder vielleicht ist es auch einfach nicht gefunden worden. Immerhin war es unter dem Bett, als ich gefangen genommen worden bin.
So brachen wir direkt auf und außerhalb des äußeren Tores der Festung konnte ich das Bauwerk bestaunen in dem wir gewesen waren. Es muss sehr alt sein.
Schon wenige Schritte später kreuzte die Elfe unseren Weg und ich berichtete ihr was unsere zukünftige Aufgabe sein sollte.
Etwas weiter die Straße hinab hatten Wegelagerer Bäume gefällt und Kutschen als zusätzliche Blockade verwendet. Die Insassen der Kutsche waren an Bäume der Umgebung gebunden. Die Elfe schien das sehr zu ärgern, denn sie begann auf die Gruppe los zureiten und vertrieb sie in alle Winde, so dass wir danach den Angebundenen helfen konnten.
Am Abend trafen wir in Arivor ein, und Adaque und die Elfe nahmen sich ein Zimmer in einem der Gasthäuser. Da ich jedoch vor hatte das Siegel in dieser Nacht zurückzuholen, oder besser zurückholen zu lassen, verabschiedete ich mich von beiden und suchte mir in einem nahe gelegenen Wäldchen einen stillen Ort an dem mich niemand direkt entdecken würden. Wer kann schon wissen wie die Einwohner hier auf eine Beschwörung in ihrem Wald reagieren würde.
Es war eine laue Nacht und es störte mich wenig das Ritual in voller Länge durchzuführen. Tatsächlich tauchte auch erst gegen Morgengrauen der Difar den ich gerufen hatte im Heptagramm auf und verschwand, nachdem ich ihm seinen Auftrag genannt hatte, um sich auf die Suche nach dem Siegel zu begeben.
Wenige Zeit später, ich hatte mich in meinem Pentagramm niedergelassen um ein wenig zu ruhen, tauchten Adaque und die Elfe aus einem der Büsche auf. Offensichtlich hatten sie sich Sorgen gemacht, weil ich morgens noch nicht zurückgekehrt war. Ich erklärten ihnen kurz warum ich noch immer inmitten dieses Waldes saß, weil ich natürlich warten musste bis der Difar zurückkam, und die Elfe sah sich misstrauisch das Heptagramm und mein Pentagramm an. Sie fragte ob es sicher für sie beide wäre – außerhalb meines Pentagramms. Ich versicherte ihnen, dass absolut nichts passieren könnte – eine Lüge natürlich, aber das Pentagramm war nun einmal für eine Person gezeichnet, und selbst bei der Statur der beiden wäre es doch recht eng geworden.
Wenige Augenblicke später kehrte dann auch der Difar zurück – und vertrieb die Elfe in die nahen Büsche. Er hatte das Siegel nicht dabei. Und bevor ich mich fragen konnte warum nicht, wurde es uns auch schon ersichtlich. Dieser… Kerl, dem wir das Siegel überbracht hatten, hatte einen Magier dabei. Und er hatte es doch tatsächlich geschafft mir meinen Dämon wegzunehmen und auch noch die Frechheit ihn mit einer Nachricht zurückzuschicken, dass wir das eh nicht
schaffen würde. Also wirklich. Adaque, die Elfe und ich machten darauf hin kurzen Prozess mit dem Dämon, und ich durfte mir von Adaque wieder anhören, wie arg gefährlich doch die Dämonenbeschwörung sei.
Wir machten uns nun auf den Weg das ganze per Pferde zu erreichen. Inzwischen komm ich ganz gut zurecht mit Pferden, und wir konnten, dank des Siegelringes den Adaque bei sich trug auch überall frische Pferde erhalten.

12 Rondra
Immer wieder trafen wir auf Flüchtlinge, welche aus dem Süden vor dieser Krankheit flohen, die dort ausgebrochen war, und gegen Mittag trafen wir auf eine Gruppe Schaulustiger, die sich an den Reden eines heruntergekommen Kerls erfreuten, der über die Kaiserin und das Reich herzog. Nicht das mir viel an der Kaiserin liegt, immerhin komm ich nicht von hier, und ich glaube Adaque und gerade der Elfe erging es ähnlich, aber trotzdem störte mich die Art des Menschen.
Vielleicht war ich aber auch nur irgendwie gereizt, weil jemand mal wieder besser war als ich. Wir hielten unser Pferde an, was den Redner veranlasste sich abfällig über uns zu äußern. Immerhin ritten wir Pferde mit kaiserlichem Geschirr.
Der Elfe wurde das zu bunt und sie wirkte einen Dunkelheit, die die Menschen in Panik fliehen ließ. Adaque hatte offensichtlich Probleme mit ihrem Pferd und rief uns von außerhalb etwas zu, so dass wir ihr nach draußen folgten und sie uns mitteilte, dass sie drei Gestalten gesehen hatte, die am Horizont verschwunden waren. Drei – könnte passen. Wir hetzten also unsere Pferde an die Reiter zu verfolgen. Adaque hatte noch immer Probleme mit ihrem Pferd, denn plötzlich brach es aus und lief in vollem Galopp in den Wald zu unserer linken hinein. Ich hieß die Elfe sie weiter zu verfolgen und ritt hinterher.
Querfeldein war es recht holprig zu reiten, aber nicht wirklich unbequem. Es dauerte ein wenig bis ich Adaque wieder fand und wir ritten darauf hin langsam zurück zur Straße, auf der wir die Elfe stehen sahen. Sie war von ihrem Pferd abgestiegen und ein Stück gelaufen. Ich fragte nicht weiter und wir ritten, langsamer nun, bis wir am Abend die Stadttore von Silas erreichten.
Kurz vor der Stadt lag ein Toter am Straßenrand. Er hatte seltsame rote Flecken im Gesicht und auf den Armen, die mich stark an die Beschreibung der Krankheit im Süden denken ließ, so dass ich nicht zu nahe heran trat. Die Elfe kannte da weniger Scheu und tastete an dem Toten herum bevor wir weiter zur Stadt ritten.
Am Tor zeigte Adaque ihren Ring und fragte nach den drei Reitern. Der Gardist antwortete, dass dies wohl der Graf der Stadt sei und beschrieb uns den Weg zum Stadthaus. Ich fragte nach dem Perainetempel der Stadt. Immerhin konnte der Tote da nicht einfach liegen bleiben.
Wir ritten zuerst zu einer Herberge um unsere Pferde unterzustellen und dann begaben wir uns zum Perainetempel, in dem uns ein älterer Mann freundlich willkommen hieß. Es wunderte ihn nicht allzu, dass die Seuche nun auch in seiner Stadt angekommen war. Er hatte damit gerechnet – bei den Flüchtlingen auch kein Wunder. Er fragte uns ob einer die Leiche angefasst hatte, und ich warf einen Blick auf die Elfe, die aber meinte ihr würde das nichts ausmachen… Ich werde sie in den nächsten Tagen näher im Auge behalten.
Das Stadthaus war in Dunkelheit gehüllt und die Fenster zum Teil verriegelt. Auch auf unser Klopfen reagierte niemand, und die Elfe sah mit ihrem Zauber nur ein Lebewesen im Haus. Ungewöhnlich. Wir überlegten kurz ob dies Rechtfertigung genug sei in das Gebäude einzudringen, aber ich wies darauf hin, dass wir vielleicht vorher nachfragen sollten. Und es schien so, dass der Graf außerhalb seiner Stadt ein Landgut hatte in dem er wohnte. Wir wollten uns gerade umwenden um zur Herberge zurück zu gehen, als Adaque ein Bolzen traf. Jemand hatte auf uns geschossen. Die Elfe zog einen Bogen und ich wirkte einen Flim Flam um die
Dächer über uns zu erleuchten. Dann hörten wir Schritte und begann den Übeltäter zu verfolgen. Ich hielt kurzfristig inne um mich Adaques Zustand zu vergewissern, aber sie beteuerte nicht ernsthaft getroffen worden zu sein. Ich hingegen wusste wie schmerzhaft ein Bolzen sein konnte.
Letztlich liefen wir nur verwirrt durch die kleinen Gassen ohne irgendetwas zu erreichen, und Adaque verriet, dass sie ein Bolzen mit Gift getroffen hatte. großartig. Wir kehrten zum Perainetempel zurück, aber der Geweihte war nicht mehr wach. Die Elfe stieß zu uns und Adaque schien es auch wieder besser zu gehen, so dass wir uns doch auf den Weg zur Herberge machten.

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Am morgen ritten wir weiter die Straße nach Süden entlang und erreichten gegen Mittag Parsek, ritten aber weiter bis wir gegen den Abendhimmel hohe Flammen empor schlagen sahen. Wir hatten schon zwischendurch einige Feuer gesehen auf denen die Toten der Seuche verbrannt wurden, aber das war etwas anderes. Die Luft roch selbst für mich beißend nach Rauch und nicht der Rauch von verbrennendem Fleisch, wie ich mehr zu mir selbst bemerkte – was mir einen seltsamen Blick von Adaque und der Elfe einbrachte. Es war der Geruch von brennendem Holz und bei der Größe der Feuersäulen musste dort eine Stadt in Brand stehen.
Am oberen Ende des Hügels angekommen sahen wir es dann auch. Methumis brannte. Die Häuser außerhalb der Stadtmauer schienen verlassen und nur in wenigen brannten kleine Lichter. Bei einem von diesen Häuschen fanden wir eine kleine Tür hinter der sich ein Mann
verschanzt hatte, der uns berichtete das ein Praiosgeweihter die Kontrolle in der Stadt übernommen hatte und nun versuchte die Stadtherren aus der Stadt zu werfen. Offensichtlich nicht auf eine feinfühlige Art.
Wir mussten wissen was passiert war und ob diejenigen die wir suchten dort hindurch gekommen waren. Es bleib uns also nichts anderes übrig als weiter zum Stadttor zu reiten. An jenem stand ein Bannstrahler und Soldaten, die uns mit einem süffisanten Lächeln begrüßten. Und natürlich der obligatorischen Bemerkung über meine Kleidung und Herkunft.
Sie erkannten Adaques Siegel nicht an und wollten uns inhaftieren, was ich vielleicht bei mir noch nachvollziehen hätte können. Immerhin war ich Magier, aber die Elfe und Adaque? Irgendetwas lief hier ziemlich falsch. Glücklicherweise sahen das einige der Einwohner der Stadt ähnlich und halfen uns den Soldaten zu entkommen. Ein junger Mann brachte uns zum Perainetempel, der wohl ebenfalls eine Schule war und in den sich die Besetzer wohl nicht trauten, weil viele Seuchenkranke auf Liegen aufgebahrt waren. Im ersten Stock informierte uns der Aufseher der Schule über den Zustand der Stadt – der Praiosgeweihte hatte einen gesiegelten Erlass erhalten der ihn zum Hochgeweihten und Befehlshaber der Stadt ernannte – und bat uns doch den Prinzen aus dem Stadthaus mit aus der Stadt zu nehmen. Er war offensichtlich voll Ehre in der Stadt geblieben um seinen Mann zu stehen oder etwas ähnlich unvernünftiges. Für diesen Dienst wurden uns neue Pferde angeboten, die wir gut gebrauchen konnten. Unsere hatten wir vor der Stadt stehen gelassen. Pferde mögen kein Feuer.
Also machten wir uns auf, durch das Staßengewirr zur Hinterseite des großen Hause. Die Vorderseite wurde von den Besetzern und der angeschlossenen unzufriedenen Bevölkerung zum Sturm vorbereitet. Hinten waren nur zwei Wachen, die wohl aufpassen sollten dass niemand aus dem Haus floh. Sie schienen nicht die intelligentesten Vertreter zu sein, denn wir konnten sie ohne Probleme überwältigen und nach einigen kleinen Schwierigkeiten auch in das Haus
eindringen.
Das Haus war recht groß – nein, das ist eine Untertreibung. Es dauerte recht lange bis wir den Prinzen fanden, der in einem Zimmer direkt oberhalb des Haupteinganges mit einigen weiteren Verteidigern stand und die Reden des Praisogeweihten auf der anderen Seite begutachtete. Welch ein Wahnsinn. Wir konnten den jungen Mann überzeugen mit uns aus der Stadt zu fliehen, aber er ließ es sich nicht nehmen noch mal auf das Dach des Hauses zu steigen und dem Stadteroberer einige Worte an den Kopf zu werfen, bevor wir wieder hinten herum das Haus verließen.
Jetzt mussten wir nur noch lebend aus dieser Stadt herauskommen. Eine gute Wahl erschienen mir dabei das Meer und der Fluss vor den Westtoren der Stadt. Die Elfe wollte sich lieber durch die Stadt kämpfen. Ein ungewöhnlicher Vorschlag für eine Elfe. Immerhin sagt man, dass sie keine Städte mögen.
Wir entschieden uns dennoch für meine Wahl, wollten dafür aber das Boot entleihen, das als Fähre diente. Das einzige Problem war, das auch vor diesem Tor Soldaten inklusive Bannstrahler standen. Woher hatte dieser Mann die alle? So viele kann es davon doch nicht geben. Aber gut es war nach wie vor der praktischste Weg. Ich wirkte einen Pandämonium um die Männer herum und ließ es sie festhalten, so das wir ungehindert durch das Tor gehen konnten und sicher die andere Seite der Stadt erreichten.
Dort standen tatsächlich Pferde für uns bereit und so konnten wir noch in der Nacht das Landgut des Herzogs erreichen, der sich freute seinen Sohn wiederbekommen zu haben. Er wollte ein großes Fest feiern, aber wir mussten bei Morgengrauen weiter reiten. Jetzt wussten wir wie viele Tage sie Vorsprung hatten. Der Mann mit dem Siegel hatte den Praioten vor zwei Tagen zum
Hochgeweihten erklärt. Und nebenbei bemerkt: Da steht deine Stadt in Flammen und du willst ein Fest feiern? Was sind das für seltsame Sitten hier.

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