Dämonentor

Ein Roman von Charles Stross

Was passiert, wenn ein SF Autor einen Roman schreibt, der auf den ersten Blick wenig mit fremden Welten und Raumschiffen – was ja viele erst einmal im Kopf haben, wenn sie Science Fiction hören, zu tun hat und in dem es eigentlich nur um einen Spezialisten mit besonderem mathematischem Hintergrund geht? Nun.. lest selbst.

Der Hacker Robert (Bob) Howard hat es weit gebracht. Erst fand er eine Sicherheitslücke in einem Rechner, in der er nicht hätte rumschnüffeln sollen und dann auch noch auf eine Art und Weise, die dafür sorgte, dass man ihn direkt in eine spezielle Geheimdienstorganisation der britischen Regierung einverleibte – der Wäscherei. Ja, klingt etwas albern, aber das was sie machen ist nicht die schmutzige Wäsche waschen, sondern die britische (und ab und an auch restliche) Bevölkerung vor der Bedrohung durch fremde Wesen zu beschützen. Fremde Wesen wie etwa jene aus parallelen Universen. Oder jene auf dem Grund der Mandelbrotmenge…
Bob jedenfalls hatte bislang bloß einen langweiligen Schreibtischjob, von der er gerne weg wollte. Außendienst. Klang spannend. Könnte was sein. Doch gleich sein erster Einsatz zeigt ihm, dass das doch auch langweilig seien kann, wenn man die ganze Nacht vor einem Gebäude im Regen hocken muss. Sein zweiter Auftrag hat es allerdings in sich. Er führt Bob ins sonnige Kalifornien, wo er sich mit einem Kontaktmann namens Mo (der sich als Kontaktfrau herausstellt) treffen soll um diesem zu helfen die USA Richtung Heimat England verlassen zu können. Die Staaten weigern sich nämlich Mo ausreisen zu lassen. Und warum das so ist, wird Bob erst später klar. Erst nachdem Mo entführt wurde von seltsamen Leuten und Bob sich entgegen der Dienstvorschriften aufgemacht hat sie zu retten. Und selbst das ist nur der Anfang von etwas, dass das ganze Universum zerstören könnte.

Wie vielleicht schon an der Erwähnung der Mandelbrotmenge, die vermutlich nicht einmal jedem Leser dieser Rezension etwas sagen wird, andeutet, ist der „wissenschaftliche“ Hintergrund der ganzen Dämonen, Geister und Tore-in-andere-Welten Sache mathematisch, physikalisch und informatisch erklärt. Ein SF Schreiber ist eben oftmals ein SF Schreiber. Dementsprechend könnte gerade dieser ganze Hintergrund die Leser in zwei Lager spalten. Jene, die wissen was da geschrieben steht – und das dann cool oder nicht finden – und jene, die keinen blassen Schimmer etwa von der Church-Turing-These oder NP-vollständigen Problemen haben – und das trotzdem cool finden oder nicht. Immerhin wird hier Magie mit Mathematik im weitesten Sinne erklärt, was ja nun wirklich eher selten ist. Zumindest in diesem Ausmaß. Aber ist die Geschichte denn nun gut?
Da kann man eigentlich nur mit einem Jein drauf antworten. Sicherlich ist die Hauptfigur entsprechend sympathisch – weil eher antiautoritär und typische Heldenfigur – und auch die restlichen, man nehme nur Pinky und Brain, seine beiden schwulen Mitbewohner, oder seine Vorgesetzten ansprechend, aber alleine die Art und Weise wie das Buch geschrieben ist, spaltet vermutlich die Leserschaft. Bob erzählt in der Gegenwartsform aus der Ich-Perspektive. Allerdings auf eine Art und Weise, die den Leser gerne mal gedanklich in andere Zeitformen fallen lässt. Außerdem werden in der Handlung oftmals Sprünge gemacht, die dann nur mit wenigen oder auch nur einem Satz erzähle was gewesen ist. Das lässt den Leser etwas unbefriedigt zurück.
Trotz allem ist die Geschichte (n, es sind nämlich eigentlich zwei) spannend erzählt, leicht humoristisch (Ein Mond mit Hitlergesicht in einer Parallelwelt in der die Nazis gewonnen haben etwa) und mal etwas anderes in der Reihe übernatürliches jagende Detektive.

Fazit
Für Freunde solcher Literatur sicherlich einen Blick wert. Für Rollenspielleiter, die in der Jetztzeit mal etwas anderes machen möchte kann der Roman allerdings eine Goldgrube sein. Immerhin bekommt man hier Hintergründe für Magie und Monster durch Mathematik präsentiert und muss praktisch nur noch pflücken was man davon gebrauchen will (ganz zu schweigen davon, dass sich aus beiden Geschichten auch gut ein Abenteuer für etwa Delta Green oder Cthulhu Now machen lässt – wo doch der Autor selbst schon großer Lovecraft Fan ist)

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