D&D Essentials – Heroes of the fallen lands

Es ist jetzt eine ganze Weile her das ich die „neue Rote Box“ besprochen habe, den Anfang von Wizards of the Coasts „Essentials“-Reihe, ihrer neuen Präsentation der Dungeons & Dragons 4th Edition. Und wer sich zurückerinnern mag (oder schnell nachgelesen hat) wird sich erinnern das ich damals recht angetan war: Gelungene und einsteigerfreundliche Präsentation der 4e-Regeln, nettes Abenteuer, ein gelungenes Einsteigerset, das aber auch für erfahrene Spieler interessant ist die noch keine Erfahrung mit dem System haben. Und ich dachte ursprünglich „Okay, das müsste reichen, der Rest der Essentials-Reihe wird wahrscheinlich niemanden interessieren“. Dachte ich. Und da kamen immer mal wieder einzelne PM’s an: „Machst du den Rest der Reihe auch noch?“, „Was ist mit dem Rules Compendium?“ oder auch „Und wie sind die anderen Boxen so?“. Seufz. Also gut, ihr habt mich geschafft – hier ist das erste Buch der Essentials-Reihe, Heroes of the fallen lands (Hotfl).

Optisch ist Hotfl schonmal ein Leckerbissen. Es handelt sich um ein 365 Seiten starkes Taschenbuch das durchgängig in Farbe gehalten ist und auf Hochglanzpapier gedruckt wurde. Vom Format her liegt es zwischen A4 und A5, ein Format das die Amerikaner glaube ich als „Trade Paperback“ bezeichnen. Der Text ist – ungewöhnlicherweise – ein- statt zweispaltig gesetzt, aber das Layout ist recht offen und freundlich, ohne zu viel Whitespace zu haben wie es die ersten Veröffentlichungen der 4e hatten. Außerdem wird der Text immer wieder durch gut platzierte Illustrationen oder den Einsatz von Farbe – dazu kommen wir später – aufgelockert, und jedes Kapitel beginnt mit einer ganzseitigen Illustration.

Hotfl ist, das sollte man gleich als erstes Sagen, kein Spielerhandbuch im eigentlichen Sinn, wie man es bei D&D kennt. Statt dessen soll dieses Buch einem Spieler ermöglichen, einen Charakter zu bauen und ihm alle Grundregeln zu bieten die er dafür zum spielen braucht, ohne ihm ALLE D&D-Regeln zuzumuten. Also nur das, was er unmittelbar braucht. Dieses Buch bietet dem geneigten Spieler die Möglichkeit, einen Kleriker, einen Krieger, einen Schurken oder einen Zauberer zu spielen, wobei dieser ein Mensch, Zwerg, Elf, Eladrin oder ein Halbling sein kann. Also quasi die Standardoptionen. Aber gehen wir das Buch zunächst der Reihe nach durch. Aufgeteilt ist das Buch in eine Einleitung, acht Kapitel, gefolgt von einem Glossar, einem Index und einem Charakterblatt. Die Einleitung ist dankenswert kurz, und verweist in ihrer „Einführung ins Rollenspiel“ auch gleich auf die „Rote Box“ und das Gegenstück zu Hotfl, Heroes of the forgotten kingdoms, welches ich demnächst auch besprechen möchte. Außerdem erklärt es gleich die wichtigste Regel: Würfle einen W20, welcher möglichst hoch ausfallen sollte, addiere dazu die relevanten Modifikatoren, und wenn das Ergebnis höher ist als die geforderte Zielzahl war es ein Erfolg – wenn man das intus hat, reicht es theoretisch schon zum D&D spielen.

Das erste Kapitel stellt eine Übersicht des Spiels und der implizierten Spielwelt dar. Das Buch erklärt hier knapp die gröbsten Grundmechanismen für den Kampf und andere Situationen, die verschiedenen Spielebenen – Heroisch (Stufen 1-10), Paragon (11-20) und Episch (21+) und gibt eine Übersicht der Essentials-Reihe. Ebenfalls hier erklärt werden die Rollen der Spieler und des Spielleiters, ebenso die Grundprämissen von denen D&D als Fantasyspiel ausgeht. Wer dieses Kapitel gelesen hat braucht als Spieler eigentlich keine weitere Regelkenntnisse außer den Möglichkeiten seines Charakters um mitzuspielen – was auch durchaus die Absicht des Buches ist.

Das eigentliche Thema des Buches ist ja die Charaktererschaffung, und diese wird in Kapitel Zwei behandelt. Hier bekommen wir Schritt für Schritt erklärt wie ein Charakter entsteht. Zuerst wird die Klasse ausgewählt, danach die Rasse. Dann werden die Attributswerte bestimmt (Dieses Buch bietet drei Reihen mit vorgegebenen Zahlen, einmal für ausgeglichene Werte, einmal für einen Spezialisten, und einmal für einen Charakter mit zwei Spezialitäten, weist aber darauf hin, daß im Rules Compendium andere Methoden vorgestellt werden), die Fertigkeiten werden ebenso ausgesucht wie die Powers – basierend auf der gewählten Klasse – und jeder Charakter erhält auf erster Stufe auch gleich ein Feat. Danach wird noch Ausrüstung gekauft, ein paar Werte wie Trefferpunkte, Rüstungswert und Rettungswürfe berechnet, und dann fehlen nur noch Sachen wie Charakterbeschreibung um das Ganze abzuschließen. Ebenfalls Teil dieses Kapitels sind die Regeln zur Charaktersteigerung, Beschreibungen der Gesinnungen und der möglichen Götter. Kapitel drei ist ebenfalls recht kurz, hier wird erklärt wie man die einzelnen Powers die ein Charakter erhalten kann zu lesen hat und wie sie funktionieren.

So richtig zur Sache geht es dann im vierten Kapitel, da werden dann endlich die Klassen erklärt. Für jede der vier enthaltenen Klassen gibt es zunächst einen oder mehrere „Builds“, also Ausprägungen der Grundklasse, die diese Klasse für eine bestimmte „Rolle“ oder Aufgabe innerhalb der Gruppe optimieren. Dabei folgt jede Klassenbeschreibung dem selben Schema: Zunächst wird beschrieben was die Funktion der Klasse innerhalb der Gruppe ist, und warum man diese Klasse wählen sollte, gefolgt von einer allgemeinen Umschreibung der Klasse. Im Anschluss an diese Beschreibung beginnt der eigentliche Build (oder der erste, falls es für die Klasse mehrere gibt). Hier wird zunächst eine Beschreibung des Builds vorangestellt, zusammen mit den wichtigsten Attributen. Es gibt einen Infokasten mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Daten wie Trefferpunkte, Fertigkeiten und so weiter, zusammen mit einer Schritt für Schritt erläuterung der Charaktererschaffung, und worauf bei diesem Build in diesem Zusammenhang zu achten ist, mit Vorschlägen zu Rassenwahl und andere kritische Stellen. Danach folgt zu jeder Spielebene (Also Heroic, Paragon und Epic) jeweils eine Tabelle die erklärt welche Powers, Skills und so weiter der jeweilige Charakter erhält. Jede dieser Tabellen wird gefolgt von den genauen Beschreibungen der jeweiligen Powers. Die in diesem Band enthaltenen Builds sind: Warpriest (Cleric), Knight und Slayer(Fighter), Thief (Rogue) und Mage (Wizard).

Nach diesem recht langen Kapitel folgt die Beschreibung der Spielerrassen, die hier ermöglicht werden, wobei es auch hier ein Standardschema gibt: Ein Infokasten mit der mechanischen Beschreibung der Rasse, die jeweilige Racial Power im selben Format wie die Klassenpowers, eine allgemeine Beschreibung der Kultur, eine körperliche Beschreibung, eine Erklärung ihrer Einstellungen und Glaubensgrundsätze, eine Besprechung typischer Gemeinden und wie das jeweilige Volk zu Abenteuerern im Allgemeinen und den enthaltenen Klassen im spezifischen steht. Abgeschlossen wird das ganze durch einige Tipps zum Spielen eines Charakters dieses Volkes mit typischen Namen.

Die letzten drei Kapitel sind alle recht kurz – Kapitel Acht widmet sich den Fertigkeiten, mit einer Beschreibung wie sie funktionieren, wie man sie benutzt und jeweils allgemeinen Beschreibungen, Kapitel Sieben enthält die grundlegendsten und wichtigsten Feats von D&D4, und Kapitel Acht enthält eine Ansammlung von Waffen und Ausrüstung, zusammen mit einigen einfachen Magischen Gegenständen. Abgerundet wird das Buch wie schon erwähnt durch ein sehr gutes Glossar, welches die wichtigsten Begriffe nochmal erklärt und definiert, den umfangreichen Index, und ein wohlüberlegt gestaltetes Charakterblatt.

Fazit:
Ich gebe es ja zu, die Essentials-Reihe hat mich davon überzeugt, D&D4 noch eine Chance zu geben, trotz meiner ursprünglichen Rezension vor einigen Jahren. Heroes of the fallen lands ist jedenfalls ein sehr gelungener alternativer Einstieg in das Spiel, und erklärt sehr angenehm, flüssig und verständlich die für einen Spieler nötigen Regeln. Natürlich kann das Buch für sich genommen nicht das Spielerhandbuch ersetzen, das SOLL es aber auch gar nicht – es ist rein dafür gedacht, das Spielen der in diesem Buch vorgestellten Charaktertypen zu ermöglichen, und das macht es sehr gut. Sehen wir also nächstes mal wie sich das Gegenstück macht, Heroes of the forgotten kingdoms.

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