Christoph Marzi – Imagery

Es gibt Autoren, von denen liest man ein oder zwei Mal ein Buch, und hat dann seine festen Vorurteile, ob sie Gerecht sind oder nicht. Hohlbein zum Beispiel, bei dem ich das Gefühl habe er hat fünf Bücher geschrieben, und schreibt seid dem nur noch bei sich selber ab. Oder Christoph Marzi, dessen Erstling, Lycidas, mir persönlich… sagen wir mal etwas zu Nahe an Neil Gaimans Niemalsland geschrieben war. Das seine erste Sammlung an Kurzgeschichten (deren Titel mir gerade entfällt) genauso aufgebaut war wie Gaimans Die Messerkönigin macht das Ganze vermutlich nicht besser. So war Marzi für mich lange Zeit „Der Typ der bei Gaiman abschreibt“, und damit war das Thema für mich gestorben. Und dann kommt Feder & Schwert daher, und schickt mir mit Imagery einen Roman, der mich des Gegenteils belehrt.

Imagery ist mit fast 290 Seiten ein relativ schmaler Roman, auch im Vergleich mit den Wälzern die Marzi bisher sonst produziert hat. Die gewählte Schriftart ist weder zu klein, noch zu groß, eine angenehme Schriftgröße. Die Umschlagsgestaltung ist ziemlich schlicht, erst wenn man das Buch umdreht erkennt man das es aussehen soll wie ein Tablet oder ein Smartphone.

Geschrieben ist Imagery aus der Ich-Persepktive, der Erzähler ist Richard Elliot, Leiter der Abteilung für Verhaltensforschung in einem Institut für Marktforschung. Der größte Kunde dieses Unternehmens, Chronos Communications Systems, hat ein großes Problem – kurz vor der Einführung ihres neusten Wunderwerks, ein Kombigerät aus Tablet und eBook-Reader mit holografischem Projektor welches dem neuen iPad den Markt abgraben soll, haben eine Reihe von Aktivistenorganisationen das Unternehmen mit Anschuldigungen bombardiert, die das Ziel haben, die Einführung des Gerätes zu verhindern. Und zu allem Überfluss ist Richards Kollege, Michael Conway, am selben Morgen bei einem merkwürdigen Autounfall ums Leben gekommen. Bereits die Umstände des Unfalls erscheinen Richard merkwürdig – die frühe Uhrzeit, die Tatsache das sein antialkoholischer Freund wohl sturzbetrunken war, oder das er um eine Uhrzeit aus dem Institut angerufen wurde, zu der keiner arbeiten sollte – woraufhin er beschließt herauszufinden was wirklich passiert ist. Gleichzeitig sammeln sich viele Ungereimtheiten um das neue Gerät von Chronos und deren versuch, den Schaden für das Gerät und die Firma abzuwenden. Es wird immer deutlicher das Michael einer Sache auf der Spur war, die damit in Zusammenhang stand, und als dann noch ein Privatdetektiv den Michael auf seine eigene Firma ansetzte einen tödlichen Unfall erlitt wird Richard klar das er möglicherweise das nächste Opfer der verschwörung sein wird, wenn es ihm nicht gelingt herauszufinden was hier gespielt wird…

Fazit:
Okay, zugegeben, Marzi wird für mich erstmal der Typ bleiben, der bei Gaiman abschreibt. ABER mit Imagery hat er meiner Meinung nach „sein“ Genre gefunden. Hier liefert er einen spannenden Wirtschaftskrimi ab, der sozusagen „eine Minute in der Zukunft“ spielt – angesiedelt ist die Handlung ende 2010, könnte aber auch Morgen passieren. Die Reaktionen der beiden dargestellten Unternehmen ähneln stark denen, die man Heute bei Firmen wie Samsung oder Apple und den angeschlossenen Werbeunternehmen beobachten kann. Auch die Charaktere sind durchwegs überzeugend. Die Handlung bleibt bis zum Schluss spannend – ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Auch sehr angenehm war das Literaturverzeichnis am Ende des Textes, in dem der Autor seine Quellen aufführt. Alles in allem eine uneingeschränkte Empfehlung – Hoffentlich schreibt Marzi auch weiterhin solche Bücher.

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