Building a Charakter: Maid the Role-Playing Game

Charaktererschaffung Orakel-Style.

Der folgende Artikel ist Teil einer gelegentlich fortlaufenden Reihe in der wir bei verschiedenen Rollenspielen die Charaktererschaffung schritt für schritt durchgehen. Zum einen können sich so Spieler und Spielleiter die sich für das Spiel interessieren sich ein Bild von der Charaktererschaffung machen, etwas das bei der Entscheidung für oder wider dem Spiel helfen kann. Zum anderen erhält ein Spielleiter, welcher bereits das Spiel kennt, einen fertigen NSC den er direkt im Spiel einsetzen kann.

Tja, nachdem ich gerade meinen eigenen Geisteszustand wieder mal in eine Abwärtsspirale bewegt habe und mich um die Rezension über das Maid-RPG bemüht habe, dachte ich, es macht durchaus Sinn auch noch eben ein paar W6 sich zu schnappen und anhand eines Beispieles mal einen entsprechenden Charakter für unseren doch recht eingeschränkten Blickwinkel hier im Westen für den Vertreter der japanischen Rollenspielkultur zu erstellen.

Fangen wir also dann an. Die Charaktererstellung halte ich möglichst Plain-Vanilla und kämpfe mich nicht noch extra durch irgendwelche zusätzlichen Absonderlichkeiten wie einen Butler oder gar den Meister/Hausherren selbst durch. (Zumal der Schwerpunkt von Maid mir als Crossgenderer bei meinen Charakteren im Spiel ohnehin zu Gute kommt.) Na dann… wo sind meine W6?

Da Maid aufgrund seines sehr oldschooligem Charme, der alles über Zufallstabellen regelt, ohnehin etwas extrem eigenwilliges ist, mache ich mir erst einmal keine Gedanken um solche Dinge wie einen Namen, dass kann man zum Abschluss letzten Endes vervollständigen, sondern stürze mich gleich in medias res auf die Attribute. (Außerdem wird mein Schoß während ich dies hier schreibe von meinen Katzen okkupiert, was es ein wenig schwierig macht nach irgendeinem Nachschlagewerk für entsprechend geeignete Namen zu suchen.)

Wie so ziemlich alles in Maid irgendwo mit der Zahl 6 spielt, was an den eingesetzten Würfeln liegt, werden die Basiseigenschaften (also das, worauf man letzten Endes würfelt), von 6 Attributen dargestellt. Um diese zu bestimmen, wirft man 2W6 und teilt das Ergebnis dieses Würfelwurfes durch drei, wobei man abrundet.

Fangen wir also mal an:

Athletics: Ich werfe eine 6 und erhalte dadurch eine 2 – Meine Maid ist in physischen Dingen und Kampfsituationen also eher durchschnittlich.

Affection: Ich werfe eine 9 und erhalte dadurch eine 3 – Das heißt, dass ich mich wesentlich besser darin tue, in zwischenmenschlichen Dingen die richtigen Hebel zu ziehen und es daher leichter habe, gute Bände zu meinen Herrn und meinen Mitmaids zu knüpfen.

Skill: Ich werfe eine 8 und erhalte dadurch eine 2, weil ich abruden muss – Meine Fähigkeiten darin, meine Aufgaben als Maid zu verrichten sind somit eher durchschnittlich.

Cunning: Ich werfe eine 9, wodurch das ganze zur 3 wird – Das heißt also, dass ich zwar nicht gänzlich talentiert bin, aber durchaus ein leicht verschlagenes Miststück sein kann. Zuweilen. Cunnig ist die Fähigkeit Gegner auszutricksen (zu denen auch die anderen Maids zählen können), sowie den Meister zu täuschen.

Luck: Jetzt ärgere ich mich gerade. Ich habe eine 11 geworfen, ergo ist mein Glücks-Attribut auf einem Wert von 3.

Will: Das wäre eigentlich zuweilen eine sehr wichtige Eigenschaft und hier hassen mich meine Würfel. Ich habe ein Ergebnis von 5. Das ergibt einen Wert von 1!

Mit anderen Worten: Ich bin relativ Passabel darin Ausreden zu erfinden, warum alle Welt an einer Sache schuld sein muss, nur ich nicht. Zeitgleich bin ich als Maid aber auch Eine, die man am laufenden Meter sehr leicht hintergehen kann. Wunderbar!

Als nächstes bestimmen wir den sogenannten Maid-Type. Wenn ich hier ein klassisches Rollenspiel ala D&D vor mir hätte würde ich behaupten, dass Maid-Types zeitgleich Rasse und Klasse währen. Im Grunde geht es dabei um spezielle Eigenschaften, die noch einmal Auswirkungen auf meine Attribute haben können. Sowohl Positiv als auch negativer Natur. Dafür werfe ich auf der entsprechenden Tabelle zweimal einen W6. (Jede Maid ist im Grunde ein Zwitter aus zwei Maid-Types.) Ich werde eine 2 und eine 6. Laut Tabelle heißt das, dass meine Maid in diesem Fall jetzt die Typen „Sexy“ und „Heroine“ in sich vereint.

Der Maid Type „Sexy“ wird folgendermaßen beschrieben: Charmin, coquettisch, womanly body, glamorous. Ich bin mir ehrlich gesagt noch nicht ganz sicher, ob ich das gut oder schlecht finden soll. (Aber dafür gibt es später noch eine Zufallstabelle, die das Ganze ein wenig präzisieren könnte.) Für die Statistik bedeutet dies, dass meine Maid ihren Cunning-Wert um +1 erhöht, wodurch ich jetzt eine 4 in dem Bereich habe. Das Miststück wird also noch miststückiger. Allerdings hat der Sexy Maid-Type auch einen sehr großen Nachteil: Mein Will-Wert singt um -1. Dadurch habe ich aktuell einen Willen von 0! („I lost my willsave. This means I’m helples.“)

Auf der anderen Seite erhöht dann der Heroine Maid-Type diesen Willenswert urplötzlich wieder um +1, was bedeutet, dass ich wieder bei meiner ursprünglichen Gutgläubigkeit von 1 als Willenswert dar stehe. Zeitgleich reduziert sich aber hier der Luck-Wert um -1. Aus der ursprünglichen 3 wird also eine 2. Ach ja. Die Heroine-Maid wird folgendermaßen charakterisiert: Earnest, single-minded, tries her very best. (Ich frage mich gerade, ob das in Kombination mit dem Sexy-Typ bedeutet, ob ich mein bestes darin gebe, allen im Haushalt den Kopf zu verdrehen.)

Wir bemerken: Diese zufallstabellen sind darauf ausgelegt das schlimmste aus den Spielern rauszukitzeln, damit es gegen Ende am Spieltisch wirklich zur Sache gehen kann.

Aber nichtsdestotrotz: Wir sind noch lange nicht mit der Charaktererschaffung durch. Als nächstes bestimmen wir nämlich mithilfe eines D66 die Farben unserer Maid. (Im Grunde habe ich hier eine x- und eine y-Achse, welche eine entsprechende Tabelle von Farbnamen bestimmen. Mit Hilfe der entsprechenden Würfel bestimmen wir die Farbe der Uniform, der Augen und der Haare. (Ich fühle mich an manche Diskussionen in diversen Foren an dieser Stelle zurückerinnert, in denen darüber geklagt wurde, dass die entsprechenden Spieler kein Interesse an solchen Kleinigkeiten wie Namen – Weltruhm erlangte in diesem Zusammenhang Krieger 36 – und besondere Äußerlichkeiten der Charaktere gelegt hätten.)

Zuerst also die Uniform: 5 & 2 … die Maiduniform ist hiernach als „Navy“. Nicht unbedingt die hübscheste Farbe, aber etwas womit man leben kann.

Als zweites die Augen: 4 & 1 … Pink. Gerade in solchen Momenten bemerkt dann bei einem solchen Spiel die Anime-Anleihen. Zugegeben hätte ich hier auch nochmal einen Tausch durchziehen können, aber ich mag die Idee einfach das Ergebnis zu einem bestimmten Attribut direkt festgelegt zu haben in diesem Fall. Es sorgt für ein paar chaotischere Momente.

Und last but not least: Die Haarfarbe. Hier werfe ich einen 2er-Pasch. Was bei mir zumindest gerade ein fieses Grinsen hervorruft: Die Haare sind „Purple“, violett also. Eine Farbe die ich wirklich liebe. (Allerdings auch nicht ganz unkompliziert, da Haarfarben innerhalb der Anime-Welt Japans auch immer mit bestimmten Charaktereigenschaften assoziiert werden. Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt also einmal nachschauen müssen, für was Violett innerhalb dieser Gattung stehen mag und muss mich dann entscheiden, ob ich diesen Stereotyp reite oder mit ihm breche.)

Bis hierhin war das Ganze noch ein sehr grobes Bild vom Erzeugnis her. Wir haben einige Grundlagen wie eine Klasse und die zentralen Attribute erwürfelt. Als nächstes kommen jetzt die Special Qualities. Das sind kleine Auffälligkeiten unterschiedlichster Natur, die einer Maid ihre jeweilige Individualisierung im Anstrich geben können. Um das zu bestimmen wirft man wieder einen D66. Nur das man diesmal einen Würfel für die zehner- und einen für die einser-Stelle im Ergebnis festlegt. (Also anders als noch vorhin bei der Farben-Tabelle die x- und y-Achse absucht.) Hierbei muss man hinzufügen, dass einige Ergebnisse dazu führen können, dass man im Anschluss an den D66-Wurf noch einmal auf einer anderen D6-Tabelle werfen muss, weil das Ergebnis etwas Ausdifferenzierter werden muss. Ach RAW werden nur zwei solcher Special-Qualities erworfen, aber wenn alle damit Spaß haben kann diese spezielle Anzahl an zusätzlichen Gimmicks auch erhöht werden. (Es handelt sich hierbei wirklich nur um Farbe, soweit wie ich das sehe, es erschließen sich daraus keinerlei besondere Spielwerte.)

Zuerst werfe ich eine 36 und erhalte dadurch den Punkt Angel/Devil. Das heißt so viel, dass meine Maid ursprünglich von einer anderen Ebene der Realität stammt und hier jetzt beobachtet. (Eventuell sucht sie auch nach Hubert Hunger, um ihn eine Stelle anzubieten, damit er das jüngste Gericht kochen kann.) Wenn ich mir dazu den Maid-Type sexy so ansehe, würde ich sagen, dass es Sinn macht, wenn unsere noch namenlose Schönheit eine verführerische Succubus abgibt. Das passt zu ihren übrigen Eigenschaften hervorragend und erklärt auch sehr gut, warum sie – zumindest den Werten nach – so ein Miststück vor dem Herrn ist.

Als zweites werfe ich eine 43. Der Punkt heißt Deliquent und verlangt noch einmal den Wurf eines D6 auf einer zusätzlichen Tabelle, auf der ich mit einer 2 den Punkt „Tattoo“ erlange.

Wir haben es also hier mit einer Succubus zu tun, die vermutlich eine kurze Karriere bei den Suicide Girls hatte und jetzt einen etwas gemäßigteren Job erlangte, bei dem sie dem restlichen Haushalt das Leben schwer machen kann. Irgendwie mag ich es, was dieses Würfelchaos gerade für ein Bild ergeben hat. XD

Der nächste Schritt sind wieder zwei D66-Tabellen. (Okay, eigentlich heißt der Punkt „Etcetera“ und hier werden noch eine ganze Menge zusätzlicher, optionaler Tabellen ebenfalls benutzt, mit denen man Beispielsweise Maid-Waffen dem Charakter auch noch zuschustern kann, aber im Moment wollen wir es nicht unbedingt übertreiben.)

Der erste Wurf bestimmt die s.g. Maid Roots. Hierbei handelt es sich um eine Antwort auf die Frage, warum unsere Werte Frau Succubus-Maid überhaupt die Maid-Uniform angelegt hat.

Ich werfe eine 53… Hmm… das heißt, dass ich aus langjähriger Bewunderung von Maids letzten Endes mich dazu aufgerafft habe alles dafür zu geben, um selbst eine zu werden. Meinetwegen.

Als nächstes geht es um die Tabelle „Stress Explosion“. Der Stress-Wert sammelt sich an, wann immer ich in Konflikten unterlegen bin und darf niemals größer als mein Spirit-Wert werden. (Den Spirit-Wert bestimmen wir hiernach, keine Sorge, dass kommt noch.) Wichtig ist nur zu wissen, dass ich im Falle einer Stress Explosion, also in dem Moment, wo mein Stress-Wert meinen Spirit-Wert sprengt automatisch Anfange ein ungebührliches Verhalten an den Tag zu legen und tatsächlich durch entsprechende Charakterplay pro entsprechend gespielter Minute Echtzeit einen Punkt Stress abbaue. Ich würfle eine 46. Der Unterpunkt auf der Tabelle lautet Rampage. (Es ist eigentlich Schade: Ich hätte hier wirklich gerne eine 65 oder 66 hier gehabt. Das hätte nämlich bedeutet, dass der Spieler zu meiner Linken mir in entsprechenden Momenten sagen soll, wie sie meine Maid verhalten muss.) Aber gut. Jetzt greife ich mir schlicht und ergreifend einen schweren Gegenstand bei Hand und darf in bester Loriot-Manier minutiöse Zerstörungsorgien im Anwesen beschreiben.

Also, wir sind fast fertig mit der heutigen Würfelorgie. Der nächste Schritt bestimmt die Maid Power. Eine Maid Power ist eine besondere Fähigkeit, die an das höchste Attribut des Spielercharakters gekoppelt ist. (Falls rein Wertetechnisch dafür mehrere Attribute in Frage kommen, hat man die Auswahl als Spieler, auf welcher Tabelle man werfen möchte. Sollte eine Maid von den Attributen her so schlecht geworden sein, dass alle Attribute zusammenaddiert unter 9 liegen, kann der Spieler sogar zwei verschiedene Fähigkeiten in dem Bereich auswählen… um es zu vermeiden einen entsprechenden Plural von Power suchen zu müssen.) Da mein höchster Wert dank des Sexy-Maid-Types das Attribut Cunning mit 4 ist, werfe ich also auf der entsprechenden Tabelle einen D6.

Ich erhalte eine 3 und erhalte damit die Fähigkeit Coercion. Das hat zur Folge, dass ich, wann immer ich einen Konflikt zwischen den Attributen Cunning und Athletics für mich bestimme, meine Figur dem Opponenten die Kleidung zerfetzen kann. („Nice!“ um mal Youtube-Neudeutsch zu bemühen. Denn die Kleidung einer Maid stellt letzten Endes auch gewisse Einflüsse auf die Attributs-Würfe des jeweiligen Charakters da. Meine Prognose, dass ich es hier mit einem echten Miststück unter den Maids zu tun habe, bestätigt sich immer mehr.)

Kommen wir also zum Feinschliff. Die Dinge, die noch fehlen.

Zunächst bestimmen wir mit Favor die Gummipunkte, die es einem ermöglichen besonderen Einfluss auf das Spiel zu nehmen und die nur dadurch zurückerlangt werden, indem man auf sehr spezifische Weise mit dem Meister interagiert. (Und nein, damit meine ich nicht ausschließlich das, woran ihr in euren kleinen Köpfchen gerade denkt. Das ist zwar auch möglich, aber definitiv nicht der Schwerpunkt des Spiels.) Der Anfangs-Favor, den man im Spiel als Maid hat, ist das doppelte des Affection-Werts. Da ich mit Affection immerhin eine 3 habe, stehe ich jetzt mit 6 Favor-Punkten dar. Das ist nicht viel, sollte aber den einen oder anderen Wurf auf der Ereignistabelle im Spiel ermöglichen können.

Und mit Spirit kommt jetzt der Grund, warum ich bei der Entwicklung meines Willenswurf ein wenig schlucken musste, zwischenzeitlich. Wie ich bereits angedeutet habe ist der Spiritwert sehr wichtig, um mit dem Stresswert vernünftig handeln zu können. Und Stress entsteht eigentlich bei jedem Konflikt, bei dem man unterlegen ist. (Zugegeben: Dadurch dass meine Maid auf Rampage geht, um Stress abzubauen, ist das noch nicht ganz so schlimm, aber nervtötend genug.) Der Spirit-Wert ist nämlich das 10-Fache des Willenswert. Ein Willenswert von 0 bliebe also 0. Ein Willenswert von 1, wie ich ihn aktuell habe, ermöglicht mir immerhin schon einen Spirit-Wert von 10. Damit bin ich zwar immer noch nicht sonderlich stressresistent, aber immerhin bin ich nicht dazu genötigt alle paar Minuten in Dauer-Rampage zu gehen.

Womit wir jetzt bei Ende bei der einen Sache angelangt sind, die meine Katzen bis hierhin verhindert haben: Name und Alter… und wenn ich ehrlich bin habe ich immer noch einen okkupierten Schoß. Allerdings habe ich hier noch eine Ausgabe von Rosarion+Vampire in Griffreichweite rumliegen und das sollte eigentlich dabei helfen, schnell einen Namen zusammenzustückeln. Hmm…. *blätter* *blätter* … nennen wir unsere gute Maid doch einfach mal „Ruby“… und setzen als Alter 18 Jahre an. Das sollte genügend Spielraum lassen, um das ganze Chaos an charakterlichen Eigenheiten, die die junge Dame von uns zusammengewürfelt bekommen hat, halbwegs ignorierbar zu machen.

In diesem Sinne: Willkommen zurück, Meister.

Name: Ruby

Age: 18

Maid Colors

Clothes: Navy

Eyes: Pink

Hair: Purple

Maid Types: Sexy / Heroine

Attributes:

Athletics: 2

Affection: 3

Skill: 2

Cunning: 4

Luck: 2

Will: 1

Spirit: 10

Favor: 6

Special Qualities:

Devil

Deliqent: Tattoo

Maid Roots: Admirer of Maids

Stress Explosion: Rampage

Maid Power: Coercion

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