Blutroter Stahl

Eine Anthologie-Rezension von Infernal Teddy

Zeit für ein Geständnis: Eigentlich bin ich kein großer Leser von Fantasy. Ich komme – 80s Cartoons seien gedankt – hauptsächlich aus der Science-Fiction-Ecke der Phantastik, und bin erst später zur Fantasy gestoßen. Und trotz meiner Liebe zum Lebenswerk von Professor Tolkien ist High Fantasy nicht mein bevorzugtes Subgenre. Ich wurde da eher durch gewisse britische Autoren geprägt, allen voran Michael Moorcock und den Fighting Fantasy-Spielbüchern, also alles Dinge in der großen Sword & Sorcery-Tradition, welche durch Autoren wie Robert E. Howard, Fritz Leiber oder Karl Edward Wagner geschaffen wurde. Warum ich euch das alles erzähle? Nun, eine grimmige und finstere Gestalt, welche sich als André Skora entpuppte, steckte mir eine neue Anthologie zu, Blutroter Stahl, mit sechszehn Geschichten aus dem Bereich Sword & Sorcery. Für Anthologien bin ich immer zu haben, und André als Herausgeber ist auch immer für eine Überraschung oder zwei gut in seinen Auswahlen – also her mit der Streitaxt!

Blutroter Stahl liegt mir als elektronisches Buch vor, 2,77 MB schwer im epub-Format. In diesem Format ist das Buch 240 Seiten lang, und alle Geschichten sind vom Inhaltsverzeichnis aus per Hyperlink erreichbar, ebenso der Anhang mit zwei Grafiken (Welche auch im Text auftauchen), und eine Übersicht über die Autoren und Grafikern, welche in diesem Buch vertreten sind. Leider sind allerdings die angegebenen Websites und Galerien der Autoren und Künstler nicht ebenfalls per Hyperlink aufrufbar. Apropos Grafiken: Mir ist ja bewusst das heute viel digitales Artwork aus Versatzstücken in Photoshop zusammengesetzt wird, aber, wenn ich das richtig sehe, ist das Gesicht auf dem Cover jenes von Till Lindemann, dem Sänger von Rammstein, oder? Erschienen ist das Buch jedenfalls beim Prometheus Verlag, welcher wohl der „Romanableger“ der sattsam bekannten Prometheus Games ist.

Wie schon gesagt, wir haben hier sechszehn Geschichten vorliegen. Ich gestehen, die meisten Autoren sagen mir namentlich nichts, was aber natürlich nicht ausschließt das ich nicht schon etwas von ihnen gelesen habe, das bedeutet auch nicht das die Autoren schlecht seien, nur das ich mir die Namen nicht gemerkt habe. Ich habe mir nicht wie üblich drei Geschichten herausgesucht, sondern vier, weil ich einer der Geschichten etwas aufzeigt das ich gerne etwas betonen würde. Das sind „In den Wäldern so still“, „Das Geheimnis des Stahls“, „Finde Frieden unter den geborstenen Monden“, und „Die Rache“. Gehen wir die Geschichten der Reihe nach durch. „In den Wäldern so still“ von Christian Günther ist die oben bereits erwähnte Geschichte, welche ich zusätzlich in meine Auswahl aufgenommen habe. Von der Handlung her ist diese Geschichte eigentlich relativ unspektakulär – ein Gasthaus am Rande eines verfluchten Waldes wird von Geistern und belebten Bäumen angegriffen, und nur ein finster aussehender Krieger in der Nacht verhindert das diese Wesen das Gasthaus hinwegfegen, bis sich herausstellt das der Grund für den Angriff bei denen zu suchen ist, welche im Gasthaus Zuflucht gesucht haben. Warum ich diese Geschichte besonders betonen wollte ist allerdings der Schreibstil. Der Autor ist offensichtlich von den Romanen und Geschichten aus der „Alten Welt“ von Warhammer Fantasy inspiriert, diese Geschichte hätte theoretisch ohne Probleme auch irgendwo im Reikswald des Imperiums spielen können. Das sehe ich allerdings keinesfalls als Minuspunkt, ganz im Gegenteil – meiner Meinung nach sind die Warhammer-Romane schon lange einer der besten Quellen für neue Sword & Sorcery-Fiction, und diese Geschichte akzentuiert diese Meinung nur.
Okay, ich gebe es zu, zwei Namen habe ich tatsächlich erkannt, schließlich sind Judith und Christian Vogt auch hier auf dem Blog keine Unbekannten mehr. „Das Geheimnis des Stahls“ mag im ersten Moment nach einer Conanesque klingen, tatsächlich hat diese Geschichte aber eher etwas traumartiges, ähnlich den Traumland-Geschichten von Lovecraft, oder einigen bestimmten Geschichten von Howard selbst. Die gesamte Handlung wird im Rückblick erzählt, und berichtet von einem Schmied, welcher als Junge loszog um einen Stern zu finden, welcher vom Himmel fiel, und dessen Weg durch die Welt, als Krieger, als König, als Sklave und als Schmied, welcher am Ende doch seinen Stern gefunden hat, und unterwegs alles gelernt hat, was er benötigt um aus dem herabgestürzten Stern eine Klinge zu formen, welche für Helden bestimmt ist. Der Geschichte fehlt es vielleicht an der blutigen und barbarischen Action, welche die Meisten von uns mit Sword & Sorcery verbinden, aber auch in diesem Genre darf es ruhige Stories geben.
Sollte ich tatsächlich innerhalb dieser Anthologie eine Lieblingsgeschichte besitzen, dann dürfte es „Finde Frieden unter den geborstenen Monden“ von Thorsten Küper sein. Eigentlich möchte ich zu dieser Geschichte nicht zu viel erzählen, aus Angst, das Finale zu verraten, lassen wir es also bei Folgendem bewenden: Ein Maler wird als letzter Überlebender seines Dorfes vom mutierten Anführer einer Barbarenhorde gefangengenommen, nachdem der Rest des Dorfes niedergemetzelt wird, weil der Maler in seinen Bildern den Häuptling verspottet hat. Dennoch hofft der Maler darauf, Rache nehmen zu können. Der größte Teil der Story besteht aus dem Dialog zwischen diesen beiden Männern, in dessen Verlauf aber nach und nach die Puzzelstücke aufgedeckt werden, welche das Geheimnis des Malers aufdecken.
Als letztes möchte ich über Daniel Isberners Story „Die Rache“ sprechen. „Die Rache“ ist für den größten Teil seiner Handlung eine eher traditionelle Sword & Sorcery-Geschichte: Ein Dorf wird von schrecklichen Monstern (In diesem Fall echsenartigen Humanoiden) überfallen, und als einer der Kundschafter, welche die Monster aufhalten sollten, bewusstlos geschlagen wird stellt er als er zu sich kommt fest, dass er der einzige Überlebende ist. Er setzt der Monsterhorde nach, und kann den Magier ausschalten, welcher hinter dem Überfall steht. Wodurch diese Geschichte seinen besonderen „Twist“ bekommt ist die Identität des „Big Bad“ (Welche aufmerksame Leser schon auf der ersten Seite entdecken können), und der Epilog – schließlich ist das hier eine Sword & Sorcery-Anthologie, es gibt hier keine happy ends…

Fazit:
André Skora, Ingo Schulze und Michael Quay haben bei dieser Anthologie ganze Arbeit geleistet – es gibt in Blutroter Stahl keine Geschichte, die mir nicht gefallen hat. Eigentlich sind Anthologien immer eine Wundertüte, man weiß nie, was man bekommt (Weswegen ich auch so gerne Anthologien lese!). Aber bei diesem band muss ich sagen ist mir keine Geschichte untergekommen die mir nicht gefallen hat. Um ehrlich zu sein ist mir noch nie die Auswahl der Geschichten für eine Besprechung so schwer gefallen wie dieses Mal – wer auf gute Sword & Sorcery-Kurzgeschichten steht, welche nicht aus stumpfem Gemetzel, öden Sexszenen, und Barbaren welche eben nicht Conan heißen, ist hier gold… nein, nicht goldrichtig, STAHLrichtig. Hoch die Schwerter!

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