Basic Fantasy Role-Playing Game

Eine OSR-Besprechung von Infernal Teddy

Irgendwie beginnt jede Unterhaltung die ich zur OSR, der „Old School Renaissance“, führe mit den Worten „Eigentlich ist die OSR ja nicht meins, aber…“. Und es lässt sich ja nicht von der Hand weisen das wir in den fünfeinhalb Jahren die es diesen Blog gibt auch immer wieder über die OSR bzw. gewisse Produkte daraus gesprochen haben. Warum also nicht jetzt mal die Sachen noch besprechen die ich hier im Regal stehen habe die man dieser Bewegung noch zusprechen kann? Reden wir also über ziemlich cooles Projekt, welches in letzter Zeit meine Aufmerksamkeit erregt hat: dem Basic Fantasy Role-Playing Game (BFRPG).

Das BFRPG ist derzeit sowohl kostenlos als PDF über die Website erhältlich, als auch als Print on Demand über Amazon Createspace, wo es zum Zeitpunkt zu dem ich diesen Artikel schreibe unter fünf Euro kostet. Bei dieser Besprechung kommt die Druckfassung, „3rd Edition Release 107“ zum Einsatz. Das Softcoverbuch ist inklusive OGL 166 Seiten lang, mit stabiler Klebebindung – um ehrlich zu sein, ich hatte schon „professionelle“ Bücher in der Hand mit schlechterer Bindung. Abgesehen vom Umschlag ist das Buch durchgängig in Schwarz Weiß gehalten. Das Druckbild ist sehr klar und sauber, auch bei den Illustrationen, aber man darf kein aufwendiges Layout erwarten.

Das BGRPG ist ein etwas ungewöhnliches Beispiel der Retroszene, da es nicht versucht, eine bestimmte Edition nachzubauen, sondern eher versucht, modernere Designgedanken mit dem Spielgefühl der B/X-Edition zu verbinden. Der Inhalt verteilt sich dabei auf Acht Kapitel, dem Index und natürlich der OGL. Kapitel Eins ist wie üblich eine Einleitung, die wir an dieser Stelle auch getrost ignorieren können. Im zweiten Kapitel geht dann mit der Charaktererschaffung los. Die verläuft ganz nach dem bekannten Schema: sechs Attribute mit je 3w6 erwürfeln, dazu Volk und Klasse auswählen, und so weiter. Es gibt vier Völker im BFRPG, Menschen, Zwerge, Elfen und Halblinge. Menschen sammeln schneller Erfahrung und können jede Stufe in jeder Klasse erreichen; Zwerge können nicht Zauberer werden, können aber im Dunkeln sehen und Änderungen an Steinwerk erkennen; Elfen können nicht nur alle Klassen nutzen, sondern auch Klassen kombinieren, bekommen aber dafür weniger Trefferpunkte, und Halblinge sind zielgenauer mit Fernkampfwaffen, werden aber dafür nie Zauberer. An Klassen gibt es auch nur die „Großen Vier“, Kämpfer, Dieb, Kleriker und Zauberer, welche hier bis Stufe 20 präsentiert werden. Neben den Klassenbeschreibungen gibt es noch eine sehr knappe Ausrüstungsliste, aus der wir bereits einen Unterschied zu B/X und vielen anderen Retrospielen erkennen können: Rüstungen verwenden hier eine aufsteigende Rüstungsklasse. Im dritten Kapitel gibt es dann die recht umfangreiche Liste an Zaubersprüchen für Zauberer und Kleriker, welche die ganzen zu erwartenden Klassiker enthält.

Das vierte Kapitel, The Adventure, präsentiert dann eine Reihe von Regeln, welche im Abenteurer-Alltag zwar immer mal wieder von Nöten sind, aber nicht zwingend Teil des Kampfsystems sind, wie Tragelast, Lichtverhältnisse, Reisezeiten, Gefolgsleute und natürlich auch den Charakteraufstieg. Das darauf folgende Kapitel, Encounter, wendet sich dann den Kampfregeln zu. Diese unterscheiden sich nicht sonderlich von den bereits bekannten B/X-Regeln, bzw. denen aus Retrospielen wie Labyrinth Lord, bis auf die Sache mit der Rüstungsklasse, welche hier wie in moderneren Spielen aufsteigt, statt wie früher absteigt, so das man einfach nur überwürfeln muss, statt stellenweise umständliche Rechnerei zu betreiben. Die Monsterauswahl, Kapitel fünf, macht dann auch den größten Teil des Buches aus. Hier findet man – so weit es innerhalb der OGL möglich ist – die ganzen Klassiker, welche man aus dem D&D-Umfeld erwartet, viele davon auch mit ansprechenden Illustrationen. Kapitel Sieben ist dann wieder ein Kurzes, mit magischen Gegenständen und Schatztabellen. Kapitel Acht wendet sich dann dem Spielleiter alleine zu, mit Hinweisen zu diversen Themen, optionalen Regeln, und erklärungen wie damit umzugehen sei das sich Charaktere Festungen errichten. Abgeschlossen wird das Buch wie bereits erwähnt durch die OGL und einem knappen aber brauchbaren Index.

Fazit:
Alles in allem ist das Basic Fantasy Role-Playing Game ein gelungener Vertreter der Retrospiele. Ein einfaches, elegantes Spiel, welches nicht versucht dem klassischen Spielgefühl noch einen besonderen Twist anzudrehen, oder etwas anders machen zu wollen um des anders seins willen, sondern nur dem klassischen Feeling nachstellt, was um so deutlicher wird wenn man sich die offiziellen Abenteuer anschaut. Damit ist das BFRPG ähnlich wie das bereits erwähnte Labyrinth Lord eher ein Vertreter der „ersten Generation“ von Retrospielen, als es nur darum ging ein Spiel nachzubauen. Was auf jeden Fall für Basic Fantasy spricht ist der unschlagbar günstige Preispunkt: nicht genug das alle offiziellen Materialien kostenlos auf der Website zur Verfügung stehen, aber für etwas unter 30 Euro bekommt man fünf Exemplare des Regelbuches und ein brauchbares Startabenteuer. Für den Preis bekomme ich heutzutags kaum noch EIN Regelbuch.

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