Athanor – Geschichten des Nordens

Fantasyanthologie

Manchmal kann man es sich nicht aussuchen. Wer sich in letzter Zeit nicht nur stur auf sein Systemforum beschränkt hat, sondern auch mal über den Tellerrand hinaus geblickt hat, hat bestimmt mitbekommen das sich ein paar findige Leute zusammengetan haben, um nicht nur ein eigenes Rollenspiel zu schreiben, sondern dieses auch noch kommerziell zu veröffentlichen. Im Zuge der Veröffentlichung haben sie auch vorab eine Kurzgeschichtensammlung herausgebracht, um bei potenziellen Käufern Interesse zu wecken.

Von der Aufmachung kann das Buch nicht billig gewesen sein. Es handelt sich hierbei um einen Hardcoverband in Lederoptik mit Prägedruck in Silber, und einem Lesebändchen (Regelmäßige Leser meiner Rezensionen wissen mitterweile sicher das ich Lesebändchen toll finde…). Das Papier ist hochwertig, und fühlt sich angenehm an, auch die Druckqualität ist sehr gut, und das gewählte Schriftbild erweckt den Eindruck das hier jemand wusste was er tut.

Man kann es sich nicht immer aussuchen, manchmal muss man Leuten unangenehmes erzählen.

Insgesamt sind in diesem Band – Prolog und Epilog außer acht gelassen – einundzwanzig Kurzgeschichten enthalten. Wobei Kurzgeschichten das falsche Wort ist, wenn man es genau nimmt, es handelt sich hierbei in den allermeisten Fällen um kurze Momentaufnahmen, Berichte und Atmosphärentexte, wie man sie normalerweise eher zwischen zwei Kapiteln eines Regelwerks erwartet, und weniger um Kurzgeschichten mit denen der Leser ein Gefühl für die Welt entwickeln soll, in dem das noch zu veröffentlichende Rollenspiel handeln soll. Womit wir auch schon beim nächsten Kritikpunkt sind, der Welt: Vielleicht bin ich hier vorgeschädigt – wer fürs Studium schon so viel Mittelalter gelesen hat das er nie wieder was über Europa zwischen 500 und 1500 lesen will bemerkt so was wahrscheinlich – aber hier ist eigentlich NICHTS was Fantasy, Phantastik oder auch nur ungewöhnlich schreit. Um genauer zu sein, hier ist nichts, das nicht genauso gut im mittelalterlichen Europa passiert sein könnte, selbst die „Geschichten“ in denen Orks, Goblins oder Elfen auftauchen.

Ich wähle hier einfach mal drei Geschichten aus, um euch ein Gefühl dafür zu geben, was euch hier erwartet: Zum einen „Recht und Unrecht“, gleich die erste Geschichte des Bandes. Hier geht es um einen Offizier, der einen Anderen Offizier zur Hinrichtung begleitet. Dieser Offizier wird wegen Befehlsverweigerung hingerichtet, eine Befehlsverweigerung ohne die der andere Offizier nicht am leben wäre. Diese Geschichte liest sich, als wäre sie im Deutschland des Dreissigjährigen Krieges angesiedelt. Die zweite Geschichte die ich ausgewählt habe „Eine Goldene Zukunft“, eine Geschichte um einen jungen Mann, einen Unfreien, der loszieht um eine Bogenturnier zu gewinnen, damit er das Mädchen seiner Träume heiraten kann, dieses Turnier auch gewinnt, dann aber stirbt weil er ein paar Tage vorher vergiftet worden ist. Wenn der Giftmischer kein Zwerg wäre könnte man auch diese Geschichte irgendwo im mittelalterlichen Deutschland ansiedeln. Die dritte Geschichte, „Der Weg des Wals“, erzählt wie eine junge Schamanin eines Vikingerähnlichen Stammes löszieht, und eine Insel entdeckt die als Insel der Toten bezeichnet wird. Diese Insel hat verbindungen zu den Sagen ihres Volkes, weswegen ihr Stamm – der jahre zuvor von einem Volk aus dem Süden vernichtend geschlagen wurde – zum wichtigsten Stamm ihres Volkes wird.

[U][B]Fazit:[/B][/U]
Ich wollte eigentlich eine positive Rezension schreiben. Bisher habe ich mir die Threads zum Rollenspiel nicht wirklich angeguckt, ich habe mich nicht groß mit dem Rollenspiel beschäftigt, ich habe mich alleine auf dieses Buch konzentriert, um eine faire, ausgewogene Meinung bieten zu können.
Leider muss ich aufgrund des Buches aber eine faire, ausgewogene und NEGATIVE Meinung äußern. Bei den Geschichten handelt es sich eher um Momentaufnahmen, eine irgendwie geartete Stimmung will sich nicht einstellen, und die beschriebenen Ereignisse sind wenige Minuten nach der Lektüre vergessen. Dazu kommt noch, dass man als Leser hier weder besonders kreatives findet, noch eine einzigartige Fantasywelt die einen entschädigen würde. Wenn ich dann noch sehe das der Verlag selbstbewusst eine 10.000er Auflage hat drucken lassen, so kann ich nur ein Urteil fällen – das wird ein Verlustgeschäft.

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