Almanach der Zauberkunst

Ein Quellenband für das Finsterland RPG

Vor kurzem haben wir an dieser Stelle das Grundregelwerk zu Finsterland besprochen, Österreichs Beitrag zur internationalen Rollenspiellandschaft. Finsterland kombiniert ein einfaches System – das durchaus seine Macken hat, aber durchaus einige interessante Ansätze bietet – mit einem für den deutschsprachigem Markt eher ungewöhnlichen Setting kombiniert. Heute betrachten wir das erste Quellenbuch zu Finsterland, den Almanach der Zauberkunst.

Alles, was in der Rezension des Grundregelwerkes gesagt wurde, gilt auch im großen und ganzen für den Almanach. Der schicke und stabile Hardcover erstreckt sich auf 152 Seiten, und enthält neben der Einleitung und dem Index sieben weitere Kapitel. Sowohl das Umschlagsbild als auch die Innenillustrationen sind im Schnitt qualitativ besser als das Grundregelwerk, auch wenn es hier und da noch ein paar weniger gute Arbeiten gibt. Es sind etwas wenig Illustrationen, weswegen das Buch an der einen oder anderen Stelle ein wenig wie eine Bleiwüste wirkt, aber das ist zu verschmerzen wenn man bedenkt das mehr Bilder und Umfang und damit wahrscheinlich auch den Preis erhöht hätten.

Das Buch eröffnet wie bereits das Grundregelwerk mit einer knappen Kurzgeschichte, auf der wir nicht näher eingehen wollen. Zwischen dieser und der eigentlichen Einleitung findet sich eine Darstellung des kosmologischen Modells von Finsterland, wobei der Rezensent sich fragt ob da eher DSA oder eher klassischen Quellen als Vorlage für dieses Sphärenmodell diente. Die eigentliche Einleitung mit einer viertel Seite ist erfrischend kurz, um umschreibt was dieses Buch darstellen soll: Hintergrundmaterial, Erweiterungen und Regeln zur Magie in der Welt von Finsterland. Danach folge fast eine Seite an Inspirationsmaterial und eine Wiederholung der Abkürzungen und des Glossars aus dem Grundregelwerk.
Das erste „richtige“ Kapitel trägt den Titel „Ein Leben als Magier“ und umschriebt den „Alltag“ der meisten Magier, die verschidenen Arten der Zauberei die im Finsterland existieren, wie das magische Weltbild aussieht und auch wie die rechtliche Seite der Zauberei aussieht. Die Menge an Infomationen die man aus diesem Kapitel ziehen kann ist enorm, leider ist aber gleichzeitig trotz der Vorstellung verschiedener Zaubereiarten fast alles auf den „studierten Magier“ ausgelegt, was für Spieler die diesem Archetypen nicht folgen etwas frustrierend sein könnte. Das zweite Kapitel bietet eine Übersicht über bekannte und bedeutsame Magier in der Geschichte des Finsterlands – etwas, das normalerweise vom Rezensenten für eine leichte Platzverschwendung gehalten wird, in diesem Fall aber auch noch lebende Magier einschließt und vor allem zu jedem dieser Persönlichkeiten auch eine Reihe von Abenteuervorschlägen anbietet.
Mit zwanzig Seiten gehört das Kapitel über magische Universitäten zu den umfangreichsten im Almanach. Hier wird der Alltag dieser Einrichtungen beschrieben, die Universitäten selbst, die daraus entstehenden magischen Orden und auch welche Forschungsrichtungen momentan besondere Aufmerksamkeit genießen. Auch hier findet man zu fast jedem Thema auch direkt Abschnitte mit Abenteuerideen – auch welche, für die nicht unbedingt ein Magier in der Gruppe sein muss. Wer seinem Magier ein Leben vor der Kampagne einhauchen will oder als Spielleiter mehr Setting Dressing einbauen will ist bei diesem Kapitel gut bedient.
Kernstück des Buches sind die beiden Kapitel „Einen Magier spielen“ und „Spielleiten für Magische Gruppen“, die zusammen 37 Seiten umfassen. Das erste dieser beiden Kapitel beginnt mit einer Betrachtung dessen, was denn die traditionellen Stärken eines Magiers sind, und welche Roollen er in der Gruppe einnehmen kann, zusammen mit einigen Beispielcharakteren. Wem die Magiespezialmanöver aus dem Grundregelwerk zu wenig waren oder wer nach etwas spezeillem geuscht hat wird dann hier wohl fündig, mit elf neuen Spielarten der Magie, und auch für nichtmagische aber gelehrige Charaktere gibt es mit neuen Wissensspezialmanöver auch einige neue Möglichkeiten. Drei neue Organisationen denen ein magiercharakter angehören kann runden das Kapitel ab, zusammen mit eineinhalb Seiten mit Regeln zu magischen Duellen und dem freien Zaubern. Das Spielleiterkapitel stellt eine Reihe von Konzepten für Kampagnen in denen magische Charaktere und Ereignisse im Vordergrund stehen sollen, zusammen mit einer Reihe von magischen Artefakten, Materialien und Orten die im Finsterland vorkommen.
Wie bereits im Grundregelwerk gibt es auch in diesem Buch ein umfassendes Kapitel mit Antagonisten, welche von Hexenjägern und anderen Magiern über Untote und Elementare bis hin zu Dämonen reichen. Was diesem Buch allerdings ein besonderes Plus verschafft ist das in diesem Kapitel nochmal die Antagonisten aus dem Grundbuch aufgegriffen werden welche Magie wirken können und dann entsprechend aufgewertet werden bzw. Zugriff auf die neuen Optionen aus diesem Buch bekommen. Diese kleine Aufmerksamkeit ist etwas, das ich oft bei ähnlichen Erweiterungen bei anderen Rollenspielen vermisse – ich wünsche mir, das solche Details öfter beachtet werden! Auch wie bereits beim Grundregelwerk wird dieses Buch durch ein Abenteuer abgeschlossen – dieses Mal geht es um einen Magier, welcher bei seltsamen Experimenten verschwunden ist. Die letzten drei Seiten des Buches werden von einem recht nützlichen Index beansprucht.

Fazit:
Ich bin immer noch nicht sicher ob mir das Regelsystem gefällt, welches in Finsterland verwendung findet, aber das Setting wächst mir langsam ans Herz. Der Almanch der Zauberkunst erweitert und vertieft dieses Setting an vielen Punkten die nicht nur die Magie betreffen. Ein Spieler mit einem Magiercharakter tut sich sicher einen Gefallen wenn er sich dieses Buch aufmerksam liest – noch besser, es sich kauft – um seine Optionen und natürlich auch seinen Charakter zu erweitern. Für Spielleiter gibt es eigentlich keine Frage: der Almanch ist zwar nicht lebensnotwendig zum Spielen oder Leiten, aber es bietet so viele weitere Möglichkeiten das ich nicht sehe warum man auf lange Sicht ohne diese Buch arbeiten sollte. Der Rezensent ist jedenfalls schon auf das Handbuch der Technologie gespannt, das wir in den nächten Tagen ebenfalls hier besprechen werden

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