Ein Traum von Macht

Abenteuer E8

Das neueste Einsteigerabenteuer von DSA ist nicht etwa wie die Abenteuer davor inhaltlich recht belanglos, sondern beasst sich dieses Mal mit den Hochelfen – also etwas, dass eher selten Thema in den Abenteuern ist. Der Band ist – wie man am Namen „Einsteigerabenteuer“ schon sehen kann – sowohl für Spieler, als auch für Spielleitereinsteiger gedacht und benötigt bloß das Basisbuch um geleitet zu werden. Alle nötigen Informationen darüber hinaus, stehen direkt im Abenteuer. Örtlich startet das ganze in Nostria, geht dann aber über Thorwall bis nach Riva.

Teil 1:
Ein greiser Magier, welcher bislang von Erfolg in seiner „Alben“-Forschung verschont geblieben ist, glaubt endlich den Durchbruch erzielt zu haben. Und zwar hat er zwei Artefakte aufgetrieben, welche vermutlich gleichen Ursprungs sind, aber von unterschiedlichen Punkten in Aventurien stammen. Ein Ring aus Thorwall und einen Armreif aus Riva – genauer einem Moor in der Nähe. Nun sucht er wackere Helden, die sich zunächst auf die Suche nach dem Ursprung des Rings in Thorwall machen. Dazu können die Helden von der Thorwallerin, die den Ring dabei hatte, erfahren, dass dieser von einem Alben in den Thorwaller Bergen geschmiedet wurde. Auf dem Weg dorthin müssen die Helden jedoch zunächst ein bisschen Vertrauen im Heimatdorf der Thorwalerin erlangen und absolvieren dazu die Swafnirprobe. Danach geht es in die Berge Thorwals einen Alben suchen. Doch zunächst muss die unwirtliche Strecke überwunden werden und dann mag der Albe – der komischerweise den Elfen doch sehr ähnlich sieht, auch nicht so wirklich Fremde. Hinzu kommt, dass einer der Thorwaler aus dem Dorf in dem die Helden waren, leider einen Groll gegen den Alben hegt und deshalb nicht nur zusammen mit diesem schließlich aus dem Fenster stürzt, sondern auch noch seine kleine Villa in Flammen aufgehen lässt. Beides ist eher unpraktisch und so können die Helden nur noch ein paar Bilder an den Wänden finden, die verraten, dass irgendwo eine fliegende Elfenstadt in einem See gelandet sein muss in dem die Elfen nun leben. Mit diesen Erkenntnissen gehts zurück nach Nostria und von dort in den zweiten Teil.

Der erste Teil des Abenteuers ist genau passend für jene Spielleiter, die noch keine große Erfahrung haben. Es wird vieles sehr genau erklärt, angefangen beim Zusammentreffen der Helden und dem Grund, warum verschiedene Helden überhaupt in Nostria sind, über die genaue Charakterisierung von NSCs auf die die Helden treffen (ausführlicher als in DSA üblich), bis zu Kniffen und Handwerkszeug, wie man etwa eine Reise ausgestaltet und das bestimmte Dinge bei einigen Gruppen auch schon mal langweilig sein können (und man das da ohne weiteres weglassen darf). Ein bisschen Schade ist da diese fürchterliche Einbahnstraße mit dem Thorwaler Attentäter auf den Elfen. Es wird zwar erklärt, warum das Häuschen niederbrennen soll (weil zu viele hochelfische Artefakte), aber obwohl es die Erwähnung von Alternativen gibt, werden unerfahrene Spielleiter hier leicht auf dem „das muss aber so“ pochen, was einige Spielgruppen gegen sie aufbringen dürfte, die eben nicht plötzlich Szenen ala „ja, ne, die ist jetzt raus gerannt und ist draußen erschossen worden. Ne, heilen geht nicht.“ haben wollen. Und da gehört nun mal etwas Erfahrung dazu, feste Abenteuerbestandteile den Spielern so zu verkaufen, als wären sie von ihnen gemacht.

Teil 2:
Die Helden wissen nun, dass der „Albe“ irgendwo aus einer Stadt kommt, die in einen zugefrorenen See gefallen ist. Nach einigem Durchsehen von Büchern und Befragen von Leuten, kommt eigentlich nur ein See in Frage. Hoch im Norden in der Nähe von Riva – der blaue See. Doch dort ist Schnee und Eis und darauf will sich gut vorbereitet werden. Die Helden reisen nun per Schiff oder über Land zu einer der Städte an der Küste, von wo aus sie Hundeschlitten besorgen müssen um weiter zu reisen. Doch das ist gar nicht so leicht und leider gibt es sogar eine ganze Räuberbande, die darauf aus ist, solche Gruppen erst zu versorgen und dann auszurauben. Haben die Helden dann irgendwann den See erreicht können sie einen passenden Felsen finden – wie auf dem Bild in der Wohnung des Alben. Dort befindet sich der Eingang in die Elfenstadt. Doch auch die Hochelfen hier mögen keine Menschen und versklaven diese, weswegen die Helden sich besser nicht erwischen lassen. Glücklicherweise gibt es jedoch eine Elfe, die Menschen mag und den Helden zusammen mit den in der Stadt wohnenden fliegenden Katzen helfen kann von dort wieder zu entkommen – auf einem Limbusschiff, nachdem die Helden die Stadt fast zerstören. Nur um dann zurück in Nostria zu erfahren, dass ihr Auftraggeber tot ist und sie somit weder Geld bekommen, noch ihnen jemand glaubt.

Ja… also… man weiß nicht ganz wo man hier anfangen soll. Der zweite Teil macht im Grunde seine Arbeit als Einsteigerabenteuer nicht schlecht. Auch hier sind wirklich ausführlichste Beschreibungen von allem vorhanden. Karten der elfischen Stadt und NSC Textchen, aber zum einen fehlt ungleich dem ersten eine Übersichtskarte, was recht schade ist, da doch die Gruppe Aventurien kennen lernen soll, und da auch geografische Begebenheiten dazu zählen, und zum zweiten ist der Teil in der elfischen Stadt alles andere als einsteigerfreundlich. Und schon gar nicht für den SL. Natürlich ist es ein gutes Ansinnen auch Sandboxing mal vor zu stellen, aber das ist nun mal nicht leicht zu leiten. Einsteiger SL werden sich also vermutlich grob an den im Abenteuer geplanten Verlauf halten – oder verzweifeln – und dieser sieht leider vor, dass die Helden sehr sehr enge Schienen durchlaufen (womit Sandboxing wieder obsolet ist) – obwohl das Abenteuer selbst natürlich viele Optionen bietet, aber das sieht man erst mit Erfahrung.
Ein wirklich starkes Stück ist allerdings das Ende des Abenteuers. Da wird den Helden und vor allem Spielern nämlich schlicht einfach ein Knüppel übergezogen in dem gesagt wird, dass sie ja eigentlich alles umsonst gemacht haben. *rums* (literarisches Äquivalent von : „ihr Trottel!“). Nach sowas verliert unter Umständen mehr als ein Spieler die Lust (hängt davon ab, wie der SL das präsentiert – aber wir reden ja immer noch von Einsteiger SL).
Und warum dieses Ende? Der Autor weiß nämlich vermutlich, dass das nun alles andere als glücklich ist, konnte aber seine Griffel nicht von den Elfen lassen und musste die ja unbedingt da hinzufügen. So war wohl klar, dass das eigentlich in Aventurien nur in Geschichten was zu suchen hat (immerhin wird ja deshalb die Behausung vom Alben zerstört – Interessanterweise wird auf die Artefakte die die Helden in der Stadt mitnehmen gar nicht eingegangen) aber Auftauchen lassen musste man sie ja trotzdem. Und dann darf aber ja keiner was davon wissen. Was ist also die Konsequenz? Egal was die Helden anbringen, niemand wird ihnen glauben. Fertig. So einfach ist die Welt… Nein, wartet. Ist sie nunmal nicht. Man kann sich zahlreiche Situationen ausdenken, in denen die Helden durchaus wen finden, der ihnen glaubt und schon hat man als SL ne Hochelfenstadt am Hintern kleben. Toll…

Wenn man allerdings eh noch keine Ahnung hat von Aventurien (auch wieder gegeben bei Einsteiger SL) so ist das obige natürlich kein Problem und man hat vermutlich durchaus Spaß am Abenteuer.

Fazit:
Ein Einsteiger SL kann definitiv etwas mit diesem Abenteuer anfangen und auch damit „lernen“ – unter Umständen auch wie man es nicht machen sollte. Für eingefleischte Fans und Kenner der ganzen Sache ist das Abenteuer gerade im zweiten Teil vielleicht zu unpassend für ihr Aventurien, aber auch diese SL können – wenn sie ein paar Dinge streichen – ein gutes Spielerlebnis erhalten.

Mit freundlicher Unterstützung in Form eines Rezensionsexemplars von der Ulisses-Spiele GmbH und dem F-Shop.

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