5 Fragen für einen besseren Charakter

Ein abgekupfertes Friday Five von Shadom

Auf lookrobot ist die Tage ein Artikel online gekommen, der mehr oder minder Pate für diesen hier steht. Da geht es zwar um 6 Fragen, aber da kann man leicht kürzen. Ich will ja nicht unsere Fünfer Serie brechen. Angesehen davon habe ich mit Absicht hier und da die Reihenfolge geändert und ein wenig den Fokus verschoben. Identisch ist die Liste also nicht.

Ich bin kein großer Freund von seitenlangen Vorgeschichten, die im Grunde doch im aller besten Fall ein mittelmäßiger Roman sind, den ich als Spielleiter eigentlich niemals lesen wollte. Viel schwieriger ist es noch sich aus so einem ausholenden Erguss, dass rauszuholen was für mich als SL eigentlich wichtig ist. Gar keine Gedanken zum Charakter sind allerdings auch zu wenig. Ich mag stichpunktartige Listen, die das wichtigste abhandeln und diese Fragen hier erscheinen mir wie ein sehr ordentlicher Mittelweg.

1. Was machen unsere Charakter denn so in der Regel?

Ja die erste Frage dreht sich direkt nicht um deinen Charakter sondern um deine ganze Gruppe. Der Spielleiter sollte auch schon vor der ersten Sitzung klargemacht haben worum es eigentlich geht und wie ein typisches Abenteuer aussieht. Erstelle deinen Charakter so, dass er genau in diesem typischen Abenteuer zu Hause ist. Keiner möchte gerne einen Charakter gegen dessen Willen oder Kompetenz mitschleifen, selbst wenn es DIR Spaß macht. Wenn du die Antwort auf diese Frage nicht kennst, dann rede mit der gesamten Gruppe, ja Spielleiter und Spieler, darüber. Die Chancen liegen gut, dass sich ein paar der anderen auch noch nicht sicher sind. So oder so schreib die Antwort am Ende auf. Du denkst zwar alle sind jetzt auf demselben Stand, aber es wird dem SL unglaublich helfen bei der Abenteuervorbereitung eure selbst formulierten Antworten auf diese Frage zu Rate zu ziehen.

2. Woher kennen unsere Charaktere sich eigentlich?

Zwingt euch nicht dazu, euch im ersten Abenteuer in der Taverne von einer Gestalt aus den Schatten anheuern zu lassen. Das ist mittlerweile nur noch peinlich. Sicher das „sich kennen lernen“ auszuspielen kann Spaß machen, aber wisst ihr was noch viel mehr Spaß macht? Auf einer Beziehung aufbauen, die man sich nicht einfach so erspielen kann.

Was wäre wenn man der Verlobte eines anderen Charakters ist oder dessen Bruder? Oder vielleicht ist einer der anderen dein Psychiater oder der Feuerwehrmann, der dir das Leben gerettet hat?   Es gibt unendlich viele Möglichkeiten und fast jede gibt dir mehr Stoff zum Spielen als das 3000. Mal das Kennenlernen ausspielen.

Noch weiter geht es wenn man sich mit allen anderen Spielern auf ein Gruppenkonzept einigt. In eurer Kampagne geht es um einen imperialen Sternenkrieg und ihr sollte Underdogs spielen, die irgendwie darin verwickelt werden? Dann spielt doch die Mannschaft eines Weltraum-Luxusliners, der auf einmal die Kronjuwelen des Imperiums an Bord hat und von allen gejagt wird. Oder ihr spielt eine klassische Abenteuergruppe? Dann seid doch eine Bande Wegelagerer, die nach einem tragischen Zwischenfall, beschlossen haben ihre vergangenen Sünden wieder gut zu machen.

Solche Ideen können schon beim ersten Gespräch von euren SL kommen, aber wenn nicht könnt ihr mir glauben, dass er euch dankbar ist wenn ihr ihm so einen Story Dynamit in die Hand gibt.

3. Was kann mein Charakter besser als alle anderen?

In Spielen mit Charakterklasse ist diese Frage recht schnell beantwortet, aber auch da kann es mal zu Problemen kommen. Wir haben schon in Frage Nummer 1 gesagt, dass dein Charakter in die typischen Geschichten, die gespielt werden sollen reinpasst. Wichtig ist aber, was trägt er zu der Lösung der Probleme bei? Jeder Spieler sollte ein wenig Spotlight bekommen, aber das geht nur wenn nicht alle dasselbe können.

Dabei müssen nicht immer die offensichtlichten Antworten die besten sein. Ein Charakter, der besser schleichen kann und Fallen findet ist sicherlich hilfreich, aber das gilt auch für weniger offensichtliche Antworten. Wenn ihr gerne sozial Konflikte ausspielt, bringt vielleicht auch ein Charakter Sinn, der als moralischer Kompass der Runde dient. In anderen eher Action lastigen Runden ist er fehl am Platz. Denk einfach darüber nach was deine Antwort wäre und dann besprich sie mit den anderen (hier vor allem den Spielern, aber es schadet nicht wenn der SL mithört).

4. Wo entspricht mein Charakter dem Klischee und wo bricht er es?

Mit Schneeflocken Charakteren zu spielen macht mir schon lange keinen Spaß mehr. Wenn jemand versucht etwas komplett einzigartiges zu spielen geht das in 99% der Fälle einfach nur in die Hose. Aber wenn jemand mir sagt, dass er einen Krieger spielt, der auf Rachefeldzug gegen die Orks ist weil sie seine Eltern getötet haben, dann bin ich schon eingeschlafen bevor er ausgeredet hat. Die Mischung machts! Rollenspiel basiert auf Klischees und Archetypen und das ist auch gut so, aber jeder Charakter gewinnt dadurch an Dimension wenn er mit seiner Rolle auch ein wenig bricht.

Nein, mein Dieb ist kein Waisenjunge der auf der Straße aufgewachsen ist und zum Protege des Königs der Diebe wurde. Mein Dieb ist in einer liebenden Familie aufgewachsen und fast alles was er stiehlt schickt er seinen Eltern, damit diese ein gutes Auskommen haben.

Nein, mein Magier hat seit er als kleines Kind seine Kräfte entdeckt hat nicht mehr die Lehrbücher zu einem Leben gemacht, weil ihn nichts außer Magie und Wissen interessiert. Mein Magier wurde Zeit seines Lebens immer gehänselt wegen seinem verkümmerten Arm und will jetzt mit seiner arkanen Macht allen Beweisen was er erreichen kann.

Macht keine Schneeflocke, aber auch keine Kugel. Gebt eurem Charakter einfach ein paar Ecken und Kanten.

5. Wer mag mich und wer hasst mich?

Hier geht es nicht um die anderen Charaktere. Es wäre ungünstig wenn sich auch nur zwei unter denen hassen würden. Aber gib dem Spielleiter direkt mindestens einen Antagonisten und vielleicht auch noch einen Verbündeten für die Runde an die Hand (und natürlich die Gründe warum sie so von dir denken)

Das gibt deinem Spielleiter nicht nur direkt, die Möglichkeit Abenteuer auf deiner Geschichte aufzubauen (während die anderen Fragen eher dazu da waren, dass die Plots an und für sich funktionieren), sondern verbindet deinen Charakter auch direkt mit der Welt. Allein schon zu sagen „Die Priesterschaft der Lun mag mich nicht, weil ich ihren Lehren offen widersprochen habe.“ und „Die Mitglieder des Ältestenrates der Stadt mögen mich, weil ich ihnen schon früher bei Problemen geholfen habe“ sagt so viel über deinen Charakter aus.

Übertreibe es aber auch nicht. Alles was mehr als eine handvoll ist, bringt zuviel Ballast mit sich. Aber ein paar solcher Verbindungen helfen ungemein, deinen Charakter nicht in einem reinem Vakuum sein zu lassen.

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